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Zugezogen Maskulin: „Seid ihr Künstler oder scheiß Autohändler?“

Backstage

Ehrlich, hautnah und noch ein bisschen verschwitzt – so mögen wir unsere Interviewpartner am liebsten. Backstage ist die Sendung für diejenigen, die nie genug von exklusiven Infos aus erster Hand und wilden Geschichten rund um Tourleben, Musikproduktion und Künstlerdasein bekommen können. Wir bitten Künstler aller Couleur zum Gespräch in die Backstage-Räume der Hannoverschen Clubs.

[009] Zugezogen Maskulin: „Seid ihr Künstler oder scheiß Autohändler?“

v.l.n.r.: Martin Wiens, Grim, Testo, Felix Sievers

Grim und Testo von Zugezogen Maskulin sind beide auf dem Land großgeworden. Dort sind sie zwischen Plattenbaubuden und Dorfdiskotheken aufgewachsen. Mittlerweile wohnen sie in Berlin und haben im Februar ihr sehr erfolgreiches Album „Alles brennt“ rausgebracht. Wir haben die beiden Jungs vor ihrem Konzert in Bremen getroffen und mit ihnen über ihre Jugendzeit, Punkrock und Rumgehate gesprochen.


Hallo Grim, hallo Testo, vielen Dank, dass ihr euch Zeit genommen habt. Ihr seid beide Dorf- beziehungsweise Kleinstadtkinder. Mittlerweile wohnt ihr im großen Berlin. Vermisst ihr irgendetwas am Leben auf dem Land?

Testo: Den Scheißegeruch. Wenn gedüngt wird, hat immer die ganze Stadt nach Scheiße gestunken. Das vermisse ich einfach so in Berlin.

Grim: Ich vermisse tatsächlich nicht so viel. Ich mochte es immer, durch die Natur zu stromern. Aber damals habe ich auch noch gekifft. Vielleicht habe ich das deshalb enthusiastischer genossen. Das fand ich tatsächlich immer geil – durch Abrisshäuser und so zu ziehen.

Testo, im Song „Plattenbau O.S.T.“ rappst du über deine Jugendzeit in Stralsund. Wie war es denn für dich, auf dem Land großzuwerden?

Stralsund liegt nicht so richtig auf dem Land. Es ist eher eine Kleinstadt. Und es war so, wie ich es in dem Lied auch beschreibe: Früher ist man noch mit den Eltern schön an die Ostsee gefahren, aber irgendwann kommt man dann in ein Alter, in dem man darauf nicht mehr so richtig Bock hat. Dann spielt sich ziemlich viel da ab, wo man mit seinen Freunden rumhängt – und das war eben das besagte Plattenbauviertel Knieper West in Stralsund. Da ist es schon eins zu eins so, wie ich es im Song „Plattenbau O.S.T.“ beschreibe.

Grim: „Es gibt so eine ‚common Fremdenfeindlichkeit‘ – dass auf dem Schulhof: ‚Ey, du Jude‘ oder ‚Ey, du Kurde‘ gesagt wird. Aber diese Sachen werden dann jeweils immer von irgendwelchen deutschen Bauernkindern gesagt.“

Grim, auch du hast deine EP dem provinziellen Leben gewidmet. Im Song „Frosch“ rappst du von „im Regen zerlaufenen Hakenkreuzen“. Man verbindet ja Dörfer manchmal eher mit Fremdenfeindlichkeit als Städte. Wie war das in deiner Heimat?

Grim: Ich glaube, Fremdenfeindlichkeit ist immer latent dagewesen. Es gibt so eine „common Fremdenfeindlichkeit“ – dass auf dem Schulhof: „Ey, du Jude“ oder „Ey, du Kurde“ gesagt wird. Aber diese Sachen werden dann jeweils immer von irgendwelchen deutschen Bauernkindern gesagt. Es gab keine Aufmärsche oder so etwas. Es gab ein paar Dorfnazis, die auch teilweise organisiert waren. Aber das waren eher Relikte aus den Neunzigern. Oft waren es Dorfkids, die dann ein Hakenkreuz an die Bushaltestelle sprühen. Nicht weil das überzeugte Nazis sind, sondern weil die es irgendwie wild und rebellisch finden – und das ist es, was ich in dem Song beschreibe.

Jedes Dorfkind hat noch alte Kumpels, die immer noch im Heimatort wohnen. Seid ihr froh, dass ihr irgendwann den Sprung geschafft habt?

Testo: Ich bin total zufrieden mit meinen Entscheidungen und wie sich alles entwickelt hat. „Sprung raus geschafft“ klingt aber so, als wenn das von jedem der Lebensentwurf sein müsste. Entweder man schafft es oder man schafft es nicht. Wenn Menschen sich da aber wohlfühlen und nicht wegwollen – Ausbildung machen, Kinder, Haus bauen und dann ist jut – dann ist das auch okay. Das ist ja das Schöne, dass jeder sein Leben selber gestalten und seinem Lebensplan folgen kann, wie er das möchte. Aber ich bin sehr froh, nach Berlin gezogen zu sein und jetzt hier zu sitzen, mit Ernst.FM.

Grim: Dem kann ich mich eigentlich nur anschließen. Hinzufügen kann ich noch, dass ich viele Leute kenne, die so klebengeblieben und nicht glücklich sind. Aber das gibt es genauso in der Stadt. Leute, die sich aus manchen Zusammenhängen nicht lösen können, obwohl sie eigentlich möchten. Solche alten Kumpels habe ich auch. Die sitzen in so festen Strukturen, dass es schwierig ist zu sagen: „Ich brech’ jetzt nochmal ab!“

Im Song „Schiffbruch“ rappt ihr vom Nachhausekommen an Weihnachten – um sich in der Nacht zum 2. Weihnachtstag in der Dorfdisko zu besaufen. Jetzt zu Ostern ist das ja so eine ähnliche Sache. Habt ihr das auch gemacht?

Grim: Deshalb habe ich es ja gerappt. (lacht) Ich habe das eine ganze Zeit sehr intensiv gemacht. An Heiligabend gab es das Tunis in Friedeburg, wo man sich volllaufen lassen kann. Irgendwann habe ich das aber als zunehmend unangenehm empfunden. Das geht halt für einen Abend klar. Aber teilweise ist es auch da schon sehr krampfig, weil du mit Leuten, von denen du dich eigentlich entfremdet hast, zusammentriffst. Aber dann machst du noch einmal so auf geil. Das macht Spaß, lässt sich aber bei mir nur mit sehr viel Schnaps erträglich machen und ist dementsprechend auch immer ein bisschen bescheuert.

Ich verbinde Dorfdisko total mit dem Song „Killing In The Name Of“ von Rage Against The Machine, der um 3 Uhr nachts gespielt wird. Ich habe eine Plattenkritik über „Alles brennt“ geschrieben. In der habe ich behauptet, dass ihr bei Rage Against The Machine die Texte mitgrölen konntet. Stimmt das?

Grim: Ich hasse Rage Against The Machine. Ich finde die so wack.

Testo: Rage Against The Machine habe ich auch nicht so gefeiert. Eher System Of A Down – das sind ja auch solche „Klassiker“.

Grim: Wenn ich „Killing In The Name Of“ höre, habe ich immer das Bild von einem 15-Jährigen, der so ganz wütend seine Tür zuknallt. Dann stell ich mir immer vor, wie er sagt: „Nein Mama, ich räum’ mein Zimmer nicht auf. Wenn ich länger rausgehen will, dann geh’ ich halt länger weg. Ihr könnt mir nichts verbieten, ich bin 15!“ Das ist für mich Rage Against The Machine in zwei Sätzen. Ich mag die nicht.

v.l.n.r.: Grim, Testo, Martin Wiens

v.l.n.r.: Grim, Testo, Martin Wiens

Testo, über dich habe ich gelesen, dass du als Teenager Gitarrist in einer Band warst: die Komakellen. Klingt ziemlich nach Punkband.

Testo: Ja. Ich habe mir mit Peter Burschs Gitarrenbuch ein paar Akkorde beigebracht. Dann habe ich einen Schlagzeuger kennengelernt. Wir haben uns dann immer getroffen, ich habe rumgeschrieen und er hat dazu auf dem Schlagzeug rumgetrommelt. Einen Kumpel habe ich dann noch überredet, mit dem Bass anzufangen. Und dann habe ich einen Fehler gemacht: Und zwar hatte ich noch einen anderen Kumpel, der auch Gitarre gespielt hat. Dem habe ich gesagt: „Komm auch noch dazu. Dann sind wir wie die Toten Hosen: Zwei Gitarren, Bass und Schlagzeug.“ Der hat sich dann aber mit dem Schlagzeuger viel besser verstanden. Die wollten dann eher was in so eine Revolverheld-Richtung machen. Das war dann der Tod von Komakellen. Das ist traurig. Rest in Peace, sage ich immer.

Habt ihr denn eine Punkrock-Vergangenheit? Bei mir auf dem Dorf war das sehr verbreitet. Und euch wird ja auch oft diese Attitüde zugesprochen.

Testo: Ich bin auf jeden Fall mit den Ärzten und den Toten Hosen aufgewachsen. Viele werden jetzt sagen, dass das kein richtiger Punkrock ist. Aber schon punkiger als Revolverheld.

Grim: Bei uns gab es tatsächlich nur ganz wenige Hip-Hop-Typen. Deshalb bin ich zwangsläufig unter Punks großgeworden und habe ganz viel Punkrock gehört.

Ich habe für dich eine weiterführende Frage. Was sagst du zur Aussage, dass eure Texte auch eine Punkband singen könnte?

Grim: Ja, könnte sie. Aber die Texte könnte auch eine andere Band singen.

Testo: Eine Punkband würde aus einem unserer Texte sechzehn Songs machen.

Grim: Das bewundere ich immer bei so wenig textlastigen Bands. Eigentlich ist das viel gechillter, zumindest für Liveauftritte. Tja, so ist das. Man kann nicht alles haben.

Testo, du hast gerade das traurige Ende der Komakellen angesprochen. Wie bist du danach zum Rap gekommen?

Testo: Ich hing halt immer in Plattenbaubuden rum. Da haben wir gekifft, gesoffen und einfach Scheiße gebaut. Irgendwann hat dann einer mal eine Daten-CD mitgebracht, auf der ganz viele Alben von Aggro Berlin, Berlin Crime und so weiter drauf waren. Die haben das angemacht und ich dachte so: „Oah ne, was ist das denn, Alter? Das ist ja total komisch und gruselig.“ Aber irgendwann habe ich gemerkt: „Die sind ja genauso wie wir. Die hängen ja auch nur rum, saufen, kiffen, gehen auf Partys, sprengen die und fangen Stress an.“ Und dann dachte ich mir, dass das mein Leben ja viel mehr trifft, als die Toten Hosen oder die Ärzte. Ich habe mir die langen Haare abgeschnitten und war ein Hip-Hopper. Das hat sich auch ganz gut mit dem tragischen Ende der Komakellen überschnitten – Rest in Peace nochmal an dieser Stelle. Ab da war ich ein harter, geiler Rapper. Mein Kumpel am Bass, der noch bei den Komakellen war, kam irgendwann an in unsere Clique und hat ganz stolz erzählt: „Wir haben jetzt erste Songs aufgenommen, hört mal rein.“ Ich habe dann alle eingeschworen und wir haben das alle zusammen gehatet. Und irgendwann hatten wir es sogar so gedreht, dass es immer, wenn wir besoffen waren, hieß: „Mach noch mal die Scheiß-CD an, dann können wir wieder lachen.“ Das war eigentlich voll fies. Aber es hat mir Genugtuung verschafft. (lacht)

Und wie liefen deine ersten Gehversuche im Rap, Grim?

Grim: Ich habe eine ganz klassische Hamburger Rap-Sozialisation. Angefangen bin ich mit Dynamite Deluxe, Pures Gift und so weiter. Mein erster Rappername war MC Nordlicht. Das reimt sich ganz toll auf „sportlich“ – habe ich auch das ein oder andere Mal gespittet. Den ersten Text habe ich zur Hälfte von Freundeskreis gebitet. Ich war immer gut in Geschichte und mochte Sachkunde und habe dann Sachen wie „mein Flow ist so hoch wie der Kilimanjaro“ gerappt. (lacht) Die erste richtige Grim104-Aufnahme ist tatsächlich auf einem Bushido-Beat entstanden und hieß „Stress“. Die Hook geht… nein, sage ich lieber doch nicht. (lacht)

Grim: „Ich finde flache Musik, die einfach flache Musik ist, vollkommen okay. Aber flache Musik, die so tut als wäre sie ‚arty farty‘ – das ist halt scheiße. Das ist für mich Revolverheld: So ‚ehrliche Gitarrenmusik‘, die dann doch nur beschissener Männerpop ist.“

Grim, für 1LIVE hast du ein ziemlich wütendes Essay über Milky Chance geschrieben. Darin kritisierst du die „Das geht uns alles nix an“-Haltung? Was genau stört dich daran?

Grim: Ich finde es grundsätzlich ja in Ordnung, wenn man eine „Das geht uns alles nix an“-Haltung an den Tag legt. Ich finde es aber viel ärgerlicher, wenn die Leute dabei so tun, als ob sie einen alternativen Lebensstil führen. Dieses „Hey, wir sind so alternativ und achten darauf, dass wir richtig gutes Essen von einem regionalen Bauern kriegen. Aber der Rest der Welt ist uns halt scheißegal“ – das kritisiere ich.

Später hast du gesagt, dass deine Wutrede über Milky Chance Quatsch war und dich verbessert: „Wen ich eigentlich hasse, sind Revolverheld”, hast du gesagt. Was hast du gegen die?

Grim: Die tragen Jeanshemden. Manchmal kann es so einfach sein. Revolverheld sind einfach wack. „Das wird man doch noch sagen dürfen“. (lacht)

Muss Popmusik denn immer unbequem sein? Darf die denn nicht manchmal auch einfach nur da sein?

Grim: Die darf natürlich da sein. Dann darf ich mich auch darüber aufregen. So einfach ist die Welt gestrickt in meinem Kosmos. Ich finde flache Musik, die einfach flache Musik ist, vollkommen okay. Aber flache Musik, die so tut, als wäre sie „arty farty“ – das ist halt scheiße. Das ist für mich Revolverheld: So „ehrliche Gitarrenmusik“, die dann doch nur beschissener Männerpop ist.

Was ist denn der Anspruch an eure eigene Musik? Wie verkopft war euer Herangehen an „Alles brennt“?

Testo: Nicht so verkopft, wie sich viele Leute das anscheinend immer vorstellen. Der Großteil kommt bei unserer Musik dann doch aus dem Bauch. Unser Anspruch ist, uns auszudrücken: Etwas das uns beschäftigt, was uns aufregt oder was in uns ein Unwohlsein hervorruft. Wir sitzen nicht da und denken: „Ey, wir müssen mal dieses Thema ansprechen, weil die Leute darüber nachdenken müssen“. Wir machen keine Propaganda und keine Schulaufgabenmusik nach dem Motto: „Analysiere mal den Text und hier sind drei Aufgaben dazu“. Wir drücken uns einfach aus.

Ihr hasst ja ziemlich leidenschaftlich – nicht nur in dem Essay von Grim, sondern auch in euren Texten. Wie geht ihr denn damit um, wenn andere Leute euch so richtig scheiße finden?

Testo: Damit muss man dann leben. Ich sage immer: „Wie du es in den Wald hineinrufst, so schallt es auch wieder heraus“. (lacht) Damit kann ich leben. Ich würde natürlich lügen, wenn ich behaupten würde, dass wir uns nicht mal kurz darüber ärgern. Aber ganz ehrlich: Wir hacken auf allen rum, dann wird eben auch mal auf uns rumgehackt. Das ist nunmal so.

Testo: „Ich habe BWL studiert. Mir hat das auch tatsächlich Spaß gemacht. Zugezogen Maskulin ist auch eigentlich mein Abschlussprojekt. Zeckenrap und Antifa sind für mich auch nur Marktsegmente, die es abzuschöpfen gilt.“

Grim, du hast vorhin erzählt, dass du für deinen ersten richtigen Track einen Bushido-Beat benutzt hast. Der hat gesagt, dass er euch unwitzig findet und mit so linker Scheiße nichts anfangen kann. Wie traurig seid ihr darüber?

Grim: Auf einer Skala von Eins bis Zehn: Zehn. (lacht) Nein Quatsch, überhaupt nicht. Das ist halt Bushido. Warum sollte der auch was mit unserer Musik anfangen können? Außerdem finde ich die Vorstellung schon crazy und absurd, dass Bushido in seiner Villa in Kleinmachnow sitzt und unsere Musik von der Juice vorgespielt bekommt und das Gehirn des Großmeisters für eine Sekunde damit beschäftigt war, unsere Musik zu hören.

Testo: Es wäre total verrückt, wenn Bushido auf einmal einen Imagewechsel vollziehen und mit Bands wie uns oder K.I.Z. Features machen würde. Dieser total ernsthafte, humorlose Typ in einem Video mit uns…

Grim: …das wäre geil.

Testo: Das wäre geil, ja. Vielleicht wenn das nächste Marktsegment erschlossen werden muss.

Habt ihr BWL studiert? Es klingt so.

Testo: Ich habe BWL studiert. Mir hat das auch tatsächlich Spaß gemacht. Zugezogen Maskulin ist auch eigentlich mein Abschlussprojekt. Zeckenrap und Antifa sind für mich auch nur Marktsegmente, die es abzuschöpfen gilt.

Ich glaube, der Hype ist in einem halben Jahr dann auch vorbei.

Testo: Das kommt aufs Marketing an. Da habe ich mir auch schon ein paar Gedanken gemacht. Es sind ja ganz einfache Sachen: Demnächst wird gestritten. Dann kommen ein paar Disstracks gegeneinander. Dann sucht sich jeder einen neuen Kompagnon, der dann auch wieder gegen die andere Gruppe disst. Danach wird sich aber mit dem wieder zerstritten. Und wir vertragen uns und machen wieder was zusammen. Das Spiel kannst du unendlich weiterführen – das ist einfach genial.

Zugezogen Maskulin

Ihr habt es ja bereits angedeutet: Ich habe das Gefühl, dass es euch relativ egal ist, was andere über euch denken?

Testo: Ja, das muss es auch. Ich finde nichts schlimmer als Künstler, die sich von der öffentlichen Meinung oder der Meinung ihrer Fans abhängig machen. Die trauen sich dann vielleicht mal, ein Album zu machen, das ein bisschen anders und eine Weiterentwicklung ist. Doch sobald die Fans in den Kommentaren schreiben: „Och ne, voll scheiße. Mach mal wieder so wie früher!“, kommt sofort ein Facebook-Post von den Künstlern: „Jo Leute, keine Angst. Ich sitze schon wieder an dem nächsten Album und das wird auf jeden Fall wieder der harte Scheiß wie früher!“. Da denke ich mir immer: „Man, du Spasti, was bist du denn? Bist du ein Künstler oder ein scheiß Autohändler, der einfach Produkte entwirft, damit sie den Leuten gefallen?“. Das finde ich richtig wack und traurig. Natürlich kann man sich nicht total freimachen und so tun, als ob einen die öffentliche Meinung nicht interessiert. Man sollte das im Schaffensprozess aber so gut es geht versuchen und das tun, worauf man selber Bock hat.

Die Hook von „Plattenbau O.S.T.“ ist relativ poppig geworden. Das habt ihr auch einfach gemacht, weil ihr es geil fandet?

Testo: Die Hook hatte mal viermal so viele Zeilen und am Anfang habe ich die auch noch gesungen…

Gibt es noch Aufnahmen davon, exklusiv für Ernst.FM?

Testo: Keine Ahnung, die liegen irgendwo vergraben in der Wüste, wie dieses E.T.-Spiel von Atari. (lacht) Zurück zur Frage: Ich mag ja Popmusik. Ich finde die Hook in dem Song auch total geil und gut platziert. Das hat sich einfach so entwickelt. Das Lied wäre in der ersten Fassung nicht so geil gewesen wie es jetzt geworden ist.

Wenn ihr irgendwann mal out seid, was macht ihr dann?

Grim: Boah, keine Ahnung. „Irgendwas mit Medien“. (lacht) Nein, ich träume davon, irgendwas ganz anderes zu machen. Vielleicht Förster oder sowas.

Testo: Ich ziehe nach Mallorca und mache da ein Café für das deutsche Publikum auf. Ich glaube, das ist noch relativ unerschlossen und ich sehe da eine Nische für mich.


Redaktion: Martin Wiens & Felix Sievers

Cover: Dad Rocks! von nuncafe (CC BY-NC 2.0)

Diese Episode wurde veröffentlicht unter der Creative Commons Lizenz Namensnennung 3.0 Deutschland (CC BY 3.0 DE).

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