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Wanda: „Nach Amore und Bussi müsste eigentlich Ciao kommen“

Backstage

Ehrlich, hautnah und noch ein bisschen verschwitzt – so mögen wir unsere Interviewpartner am liebsten. Backstage ist die Sendung für diejenigen, die nie genug von exklusiven Infos aus erster Hand und wilden Geschichten rund um Tourleben, Musikproduktion und Künstlerdasein bekommen können. Wir bitten Künstler aller Couleur zum Gespräch in die Backstage-Räume der Hannoverschen Clubs.

[029] Wanda: „Nach Amore und Bussi müsste eigentlich Ciao kommen“

Rainhold „Ray“ Weber (l.) und Lukas „Hasi“ Hasitschka im Interview. (Foto: Sebastian Mast)

Die Ohrwürmer der österreichischen Band Wanda sind noch nicht verklungen, da haben wir schon unser Interview mit ihnen am Start. Lennard traf Bassist Reinhold „Ray“ Weber und Drummer Lukas „Hasi“ Hasitschka vorm Konzert im Capitol in Hannover. Im Gespräch haben sie uns nicht nur verraten, wie ihr drittes Album heißen könnte, sondern auch, was sie von „Last Christmas“, der Generation Y und den Kiosken in Linden halten.


Wir sitzen im Capitol. Es ist der erste Dezember. Wer von euch durfte heute das erste Türchen vom Adventskalender öffnen?

Lukas: Wir haben noch gar keinen Adventskalender. Das müssen wir anfordern. Voll!

Ray: Ich gehe gleich nach dem Interview zum Rewe einen kaufen. Gut, dass du uns daran erinnerst, wir hätten schon fast vergessen, hier die weihnachtliche Stimmung aufzubauen.

Ihr seid unfassbar viel auf Tour. Würdet ihr auch an Heiligabend ein Konzert spielen?

Ray: Nah, da bin ich mit meiner Katze verabredet. Ich besuche an Heiligabend meine Tiere und Familie. Lukas, du hast doch auch Goldfische, oder?

Lukas: Ich habe zwei Goldfische, ja. Mit denen feiere ich auch Weihnachten. So gut es geht…

Könntet ihr euch vorstellen, ein Weihnachtslied aufzunehmen?

Lukas: Also ich glaube, wir haben ein wunderbares Weihnachtslied, das in den nächsten Tagen rauskommt. Es heißt „1,2,3,4“ und ich finde, es ist der beste Weihnachtssong aller Zeiten.

Ray: Es ist aber auch ein sehr universeller Song. Es ist sowohl ein Weihnachtslied als auch ein Sommerlied.

Foto: Sebastian Mast

Foto: Sebastian Mast

Eigentlich sind mehrere eurer Lieder für Weihnachten passend. Habt ihr denn Lieblings-Weihnachtslieder von anderen Künstlern?

Ray: Mein Lieblings-Weihnachtslied ist von Wham – „Last Christmas“. Ich finde George Michael super!

In mehreren Interviews, unter anderem bei FM4, habt ihr eure Lieder als Kinderlieder bezeichnet.

Lukas: Ja, Kinder singen unsere Lieder sehr gerne. Also sie sind sehr gut zum Mitsingen geeignet und sie lernen dadurch auch neue Wörter!

Ray: Tante Cicarelli zum Beispiel. Es sind gute und einfach gehaltene Songs. Wir wollen ja auch, dass die Leute mit uns mitsingen beim Konzert. Deswegen wollen wir nicht irgendwelche ganz verschnörkselten… TSCHIKEDIBABEDIBAB.

Lukas: Wobei, wir stehen schon auf den Swag. Es gibt wunderbare Swagger hier… und in Österreich auch.

Ray: Du hast auch einen Swag, habe ich bemerkt. So wie du das Mikro in der Hand hältst.

Hat auch Swag und ein Mikro: Marco Michael Wanda. (Foto: Sebastian Mast)

Hat auch Swag und ein Mikro: Marco Michael Wanda. (Foto: Sebastian Mast)

Welche Bands habt ihr in eurer Kindheit und Jugend gehört?

Lukas: Ich habe gerade die Challenge bekommen, jeden Tag ein Lied aus meiner Jugend zu posten. Bei mir ist es fast nur Nu-Metal, obwohl ich, bevor ich zwölf wurde, sehr gerne die Beatles gehört habe. Und zwar durchgehend. Mein Vater hatte nur CDs von den Beatles und ein paar Platten von Simon & Garfunkel. Eigentlich habe ich nur das gehört.

Ray: Ich bin hauptsächlich mit Police und Queen aufgewachsen und habe dann, bevor ich zehn war, die Beatles kennengelernt. Die höre ich noch immer.

Kommen wir mal zu Goethe.

Ray: Was ist das?

Goethe hat gesagt, die Jugend ist Trunkenheit ohne Wein. Wann kam bei euch der Wein?

Lukas: Ich weiß noch, dass wir, als wir jung waren, an der Tankstelle riesige Kanister billigen Wein gekauft haben. Mein Vater hat uns dann damit im Keller entdeckt und hat ihn uns weggenommen. Ich habe schon auf den Hausarrest gewartet, aber er ist dann mit drei von seinen guten Flaschen Wein gekommen. Er hat uns verboten, schlechten Wein zu trinken.

Ray: Ich musste warten bis ich achtzehn war, dann habe ich einen guten, roten Wein zum Geburtstag bekommen. Da habe ich zum ersten Mal roten Wein getrunken.

Kannst du einen empfehlen?

Ray: Ich mag eigentlich jeden Cuvée… Cuve… Café.

In euren Texten geht es häufig um Liebesschmerz, Sex, Alkohol, Reisen. Manchmal habe ich da auch eine gewisse Orientierungslosigkeit rausgehört. Ich glaube, das spricht vielen Studenten aus der Seele. Wie habt ihr eure Studienzeit erlebt?

Lukas: Orientierungslos würde ich es nicht nennen. Es sind eher Texte über das Leben. Das Leben ist nicht nur schwarzweiß und es ist schön, dass das in den Texten auch rauskommt. Dass es von Liebe bis Schmerz, von Freude und Leben bis zum Tod alles gibt und uns das im Leben auch begegnet. Ich denke, in der Studienzeit ist man natürlich auch am Suchen und das ist auch schön so. Wenn man zurückblickt, ist es doch auch die schönste Zeit.

Siehst du das auch so, Ray?

Ray: Ich unterschreibe eigentlich gar nichts von dem, was er gerade gesagt hat. Aber ich will auch nichts dazu sagen. (lacht)

„Das Leben ist nicht nur schwarzweiß.“ Unsere Fotos schon. (Foto: Sebastian Mast)

„Das Leben ist nicht nur schwarzweiß.“ Unsere Fotos schon. (Foto: Sebastian Mast)

Man spricht ja heute gerne von dieser Generation Y. Man sagt, die heutige Generation sei zu angepasst oder auf ewiger Sinnsuche. Was ist euer Eindruck?

Lukas: Man merkt schon, dass es heutzutage ein bisschen orientierungsloser abgeht, aber solange sich immer noch ein paar Leute gegen das System stellen und nicht überall mitmachen, wo es um Ausbildung und Leistung geht, finde ich das sehr gut. Jede Zeit hat ihre guten und schlechten Seiten. Ich sehe nicht einen so riesigen Unterschied zur Generation X.

Du sagst es schon, nach X kommt Y. Bei euch sind es A und B: Amore und dann kommt Bussi.

Lukas: Genau. Da müsste jetzt eigentlich Ciao kommen.

Ray: Oder einfach nur C.

Eure beiden Alben geben sich stilistisch sehr ähnlich. Es ist auch ein Gegenentwurf zur charttypischen Elektromusik. Findet ihr es gut, dass ihr euch davon abhebt?

Ray: Wir heben uns nicht ab, wir haben einfach einen neuen Sound hinzugefügt zu dem Ganzen. Wir haben uns da reingeschummelt.

Lukas: Es ist schön, dass es abwechslungsreiche Musik gibt. Mal das, mal das. Auch auf Festivals. Ich finde das gar nicht schlecht.

Das Publikum. Ein bisschen verliebt an diesem Abend. (Foto: Sebastian Mast)

Das Publikum. Ein bisschen verliebt an diesem Abend. (Foto: Sebastian Mast)

Habt ihr es denn schon mal erlebt, dass euch wer geremixt hat?

Lukas: Ja! Unsere Vorband Kent Coda. Wir sind sehr froh, dass sie mit uns auf Tour sind. Die haben unser Lied Bologna auf Türkisch gecovert. Das ist einfach etwas ganz anderes und es klingt wunderbar. Ich glaube auch, dass es auf Elektro wunderbar klingen würde.
Das macht einen guten Hit aus.

Ray: Ich glaube, es gibt sogar einen kleinen Remix von Kairo Downtown. Aber den findet man nirgends. Es ist ein verschwörerischer Remix.

Ein verschwörerischer Remix aus den Katakomben von Wien?

Ray: Genau das ist es! Woher weißt du das?

Das habe ich geraten. Wisst ihr, dass wir hier in Linden sind, dem Stadtteil mit der höchsten Kioskdichte Deutschlands? Man kann kaum um den Block laufen, ohne an ein, zwei Kioske vorbeizukommen. Im Sommer trinken die Leute da ihr Bier…

Ray: Ich finde das sehr sympathisch. In Wien muss ich immer um ein, zwei Ecken gehen, bis ich einen Zigarettenautomaten finde. Wenn man überall Kioske hat, dann kann man ja alle fünf Meter mal ’ne Zigarette…

… alle fünf Meter eine Schachtel rauchen?

Ray: Ja! Sehr gesund.

Rauch und Amore. Marco Michael Wanda bittet zum Tanz. (Foto: Sebastian Mast)

Rauch und Amore. Marco Michael Wanda bittet zum Tanz. (Foto: Sebastian Mast)

Im Winter zieht es die Leute eher in die Kneipen. Viele eurer Songs hören sich auch an, als würden sie in einer Kneipe spielen. Habt ihr euch davon beeinflussen lassen?

Lukas: Ja. Wir waren immer wieder in Kneipen und da spielt sich auch das Leben ab. Das ist ein Schmelztiegel verschiedener Individuen und wenn man neben diesen Leuten sitzt, hört man Geschichten, fängt mit denen Gespräche an und kommt auf ganz andere Dinge, als wenn man nur in seinen vier Wänden sitzt und sich mit sich selbst beschäftigt. Das ist schon etwas Tolles, dass es das gibt.

Habt ihr eine besondere Kneipengeschichte zu erzählen?

Ray: Lukas, ich glaube, du hast einige Kneipengeschichten zu erzählen.

Lukas: Vor kurzem war ich in Dortmund in einer Punkkneipe. Also in einer richtigen Punkkneipe.

Es gab dort also Dosenbier?

Lukas: Es gab sehr, sehr günstiges Bier. Dosen waren es nicht, aber du konntest so viel zahlen, wie du hast. Du konntest auch mehr zahlen. Es kamen auch Leute an: „Hey, kannst du mal mein Bier zahlen?“ Das wurde dann selbstverständlich auch gemacht. Leute setzen sich an deinen Tisch und fangen einfach so an, mit dir zu reden. Dazu extrem laute Musik. Das hat schon was. Wie hieß das noch? Irgendwas mit Q….

Ray: Hirsch-Q.

Lukas: Hirsch-Q! Wenn man mal in Dortmund ist, sollte man in die Hirsch-Q gehen. Dort findet man auch sehr nette Menschen.

Ray: Wir machen sehr gerne Werbung für Kneipen. Wenn wir schon dabei sind: Wir waren letzte Woche in Heidelberg und da waren wir in einem Lokal, das hieß „Betreutes Trinken“. Die haben eine Karte, wo man unter fünfzig verschiedenen Absinthen auswählen kann. Da gab es auch österreichischen Absinth, Tschechischen, Hasitschkasischen, Weberischen… Alles gibt es da!

Wie wird man am nächsten Tag den Kater am besten los?

Ray: Ich habe von unserem Tourmanager gelernt, dass man sich vor dem Schlafengehen und nach dem Aufstehen am besten einen Liter Wasser reinzwängt Dann steht man zwar in der Nacht auf und muss auf Klo gehen, um ein kleines Geschäft zu erledigen, aber es geht einem dann wirklich gut am nächsten Tag.

Was ist dein Tipp?

Lukas: Gleich laufen und den Körper voll beanspruchen. Auch Schlagzeugspielen gehört dazu und viel salzig essen. Manchmal tun wir gar nichts gegen den Kater und das ist genau richtig. Wir sind dann in der Stimmung, die wir brauchen.

Wie man es so mitbekommt, habt ihr einen sehr liebevollen Umgang miteinander. Ihr gebt euch Bussis und Umarmungen. Was macht ihr, wenn es mal Ärger gibt?

Lukas: Dann geben wir uns Bussis und umarmen uns.

Ray: Ja, eigentlich schon. Wir können das ganz kultiviert untereinander besprechen. Manchmal kriegt vielleicht einer eine Watschn oder so. Aber sonst sind wir wirklich lieb zueinander. Also zu 99,9 Prozent, periodisch.

„Dann geben wir uns Bussis und umarmen uns.“ (Foto: Sebastian Mast)

„Dann geben wir uns Bussis und umarmen uns.“ (Foto: Sebastian Mast)

Eine letzte Frage habe ich noch. So ganz kommen wir um die Cousine nicht herum. Ich habe mir eure Musikvideos angeschaut. Die Cousine aus dem Video zu „Bologna“ ist die Krankenschwester in „Schick mir die Post“ und eine der Schwestern aus „Meine beiden Schwestern“. Wie kommt sowas?

Ray: Sie ist eine sehr universelle Frau. Einmal ist sie unsere Tante und manchmal ist sie auch unsere… Sie kann auch ein Bruder von uns sein. Das ist glaub ich einfach so passiert.

Lukas: Um philosophisch zu werden, kann man das auch so sehen, dass jede Person im Leben, die einem nahe steht, sich ständig zu etwas anderem wandelt. Ich finde das sehr interessant, wenn ein bester Freund mal ein Trinkkumpane ist, dann wieder jemand, bei dem man sich ausheulen kann und dann wieder jemand, mit dem man eine Kneipe eröffnet. Dann ist er Geschäftspartner. Ich glaube, dass das schön ist, wenn man Menschen nicht so kategorisiert. Und dort sind sie und dort bleiben sie.

Ray: Aber ich will noch dazu sagen, am besten ist sie die Krankenschwester.

Was macht ihr vor eurem Konzert gleich noch?

Ray: Ich gehe jetzt einen Adventskalender kaufen!

Wanda Wanda

Cover: Dad Rocks! von nuncafe (CC BY-NC 2.0)

Diese Episode wurde veröffentlicht unter der Creative Commons Lizenz Namensnennung 3.0 Deutschland (CC BY 3.0 DE).


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