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Von Wegen Lisbeth: „Die besten Konzerte spielen wir in kleinen Clubs“

Backstage

Ehrlich, hautnah und noch ein bisschen verschwitzt – so mögen wir unsere Interviewpartner am liebsten. Backstage ist die Sendung für diejenigen, die nie genug von exklusiven Infos aus erster Hand und wilden Geschichten rund um Tourleben, Musikproduktion und Künstlerdasein bekommen können. Wir bitten Künstler aller Couleur zum Gespräch in die Backstage-Räume der Hannoverschen Clubs.

[40] Von Wegen Lisbeth: „Die besten Konzerte spielen wir in kleinen Clubs“

Eine Band, ein Tourbus und Ernst.FM. So sieht ein entspanntes Interview mit Von Wegen Lisbeth aus. Matze und Julian, Sänger und Gitarrist der Band, haben dieses Jahr ihr erstes Album „Grande“ veröffentlicht. Die Indie-Pop-Band aus Berlin hat sich bereits in der Schule gegründet, der große Durchbruch kam dann in den letzten beiden Jahren. Ernst.FM sprach im kleinen Bus in gemütlicher Runde über ihre Platte, ihre Wünsche und einige verrückte Erlebnisse – ob in der Realität oder in ihren Songs.


„Lina ich will dein Sushi gar nicht sehen
warum ist dein Leben so prima
und du immer so wunderwunderschön?“

Mit ihrem eher unabsichtlich auf YouTube groß gewordenem Song „Sushi“ wollen Von Wegen Lisbeth auf die vielen Food-Posts auf Instagram und Co. aufmerksam machen. Doch nicht nur diese Bilder sind für die Band überflüssig, generell wird den Berlinern zu viel gepostet. Die Leute sollten sich ihrer Meinung nach mehr Gedanken darüber machen, was sie im Internet verbreiten. Doch auch Von Wegen Lisbeth selbst gehört zur „Generation Facebook“ und da sie um den ein oder anderen Post auch nicht herumkommen, möchten sie niemandem etwas vorschreiben. Von Wegen Lisbeth halten den Menschen mit ihren Liedern nur ab und zu gerne den digitalen Spiegel vor, um sie auf ihr Verhalten aufmerksam zu machen.

Die Themen ihrer Songs greifen Von Wegen Lisbeth immer aus dem Alltag auf. Dinge, die ihnen auffallen, werden für die Musik genutzt.

„Das ist besser als völlig frei irgendwelche riesig großen Bildmetaphern auszupacken“ (Matze)

„Chérie“, „Bitch“, „Lisa“ und andere Titel verbergen Geschichten zur (un)erwiderten Liebe, auch wenn diese nicht sofort zu hören sind. Von der neuen Romantik à la Tinder halten Von Wegen Lisbeth recht wenig.

„Tinder hat eher so eine Fleischtheken-Romantik: Das nächste Stück und weiter.“ (Matze)

„Ich habe mich mit einem Mädchen über Tinder verabredet und sie kam schon mal direkt drei Stunden zu spät. Das kann man ja noch verzeihen. Aber dann habe ich die Tür aufgemacht und sie hat mich mit den Worten begrüßt: „Oah… es tut mir echt leid, aber ich bin voll beim Internet-Shopping mit meiner besten Freundin hängen geblieben.“ Wie kann man es schaffen, in einem Satz einen Abend so krass zu verkacken? Mit dem ersten Satz, den man sagt?“ (Julian)

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In Hannover hatten Von Wegen Lisbeth zwar noch keine Dates, haben hier aber trotzdem schon ein paar „amazing“ Band-Anekdoten gesammelt.

„Wir waren in Hannover auf einer WG-Party. Unser Synthiemann Robert saß da so entspannt im Küchenfenster und war wahrscheinlich auch ein bisschen angetrunken und dann? Ist er einfach hinten aus dem Fenster rausgefallen. Die Party war zum Glück nur im ersten Stock und er ist in einem Busch gelandet, deswegen hat er sich nicht verletzt. Aber Robert war auf einmal einfach weg. Da waren alle sehr perplex und haben aus dem Fenster geguckt und er lag in diesem Busch: „Alles Ok, Leute!“ Ja, Hannover… starke Stadt.“ (Julian)

Ab und zu aus dem Fenster fallen gehört für Von Wegen Lisbeth zum Bandleben dazu, doch Träume und Ziele sind ebenfalls ein Bestandteil davon. Trotzdem gehen diese nicht immer in Erfüllung und darüber schreiben sie in Songs wie „Drüben bei Penny“.

„Kaufen Sie jetzt meine Träume im XXL-Sparpaket,
Das drüben bei Penny für ein Euro zwanzig beim Kaffee steht,
Nicht mehr lang haltbar, fassen sie es vorsichtig an.“

Auch in der Realität haben die Jungs eigene Träume, wie Matzes große Journalisten-Karriere, nicht realisiert – Zitat Julian: „Du wärst ein absolut miserabler Journalist geworden, Matze!“. Diesen Träumen weinen sie aber nicht nach, sie planen lieber ein zweites und drittes Album. Auch eine etwas größere Tour steht auf dem Programm.

„In kleinen Clubs, wenn keiner mehr reinpasst, dann sind unsere Konzerte am Besten.“ (Julian)

Und bis dahin machen sie wie gewohnt weiter: Penny-Songs, abstrakte Videos, eine gute Portion Ironie und dazu singen sie weiterhin:

„Mach mal dein Ding mit Herz und Blut!“


Interview: Franziska Kuhlmann und Marie Fischer
Moderation: Franziska Kuhlmann
Text: Amandine Cormier
Fotos: Till Holland
Leitung: Clara Ehrmann
Mit tatkräftiger Unterstützung des Teams Backstage/Lauschig

Diese Episode wurde veröffentlicht unter der Creative Commons Lizenz Namensnennung 3.0 Deutschland (CC BY 3.0 DE).


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