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Tristan Brusch: „Manchmal muss mein Vermieter auf seine Miete warten“

Backstage

Ehrlich, hautnah und noch ein bisschen verschwitzt – so mögen wir unsere Interviewpartner am liebsten. Backstage ist die Sendung für diejenigen, die nie genug von exklusiven Infos aus erster Hand und wilden Geschichten rund um Tourleben, Musikproduktion und Künstlerdasein bekommen können. Wir bitten Künstler aller Couleur zum Gespräch in die Backstage-Räume der Hannoverschen Clubs.

[033] Tristan Brusch: „Manchmal muss mein Vermieter auf seine Miete warten“

Fotos: Sebastian Mast

Tristan Brusch, 26, lockige, wasserstoffblonde Haare, Singer und Songwriter. Letztes Jahr war er Support bei den Orsons, hat bei Cros MTV Unplugged mitgewirkt und seine „Fisch“-EP veröffentlicht. Vor seinem Tourkonzert in Hannover ist er bei uns im Studio vorbeigekommen und hat sich mit Kevin über die Generation Y, seine Grundschulzeit und ein gesundes Selbstbewusstsein unterhalten. Und ein wenig Unplugged-Musik hat er auch noch für uns gemacht.


Dein Zweitlabel Chimperator bewirbt dich mit folgendem Spruch: „Tristan Brusch ist der kommende Songschreiber seiner Generation.“ Siehst du dich selbst auch als das Sprachrohr der 20- bis 30-Jährigen?

Ich weiß es nicht. Ich habe die „Fisch“-EP gemacht, in der es vor allem um Kindheit und Jugend geht. Deshalb würde ich meine Zielgruppe eigentlich weiter fassen: von 0 bis 30. Obwohl Zielgruppe so ein komisches Wort ist, aber wahrscheinlich ist es das einfach. Was ich so über meine Social-Media-Kanäle mitkriege, sind viele Leute, die auf meinem Insti-Account oder so rumhängen, echt jung. Vielleicht nicht 0, aber wahrscheinlich sind die Jüngsten 13.

An welche Altersgruppe richten sich denn deine Songs?

Das ist von Song zu Song verschieden: Ich habe das Lied „Mein Zeitbegriff“ von Hildegard Knef gecovert, das aus der Sicht eines Babys geschrieben ist. „Bleib doch einfach hier“ ist ein Lied über meinen damals achtjährigen kleinen Bruder. „Fisch“ ist ein Lied über das Heranwachsen und der Song „Lügen“ handelt davon, dass man als Erwachsener verdorben ist und nicht mehr die Wahrheit sagen kann, dass man sich nicht mehr diese kindliche Unschuld bewahrt hat.

Tristan Brusch

Trotzdem gehörst du als Jahrgang ‘88 zur Generation Y, über die zurzeit oft geschrieben wird. Wie würdest du die Generation Y charakterisieren?

Man wirft unserer Generation immer vor, dass wir keine politische Haltung haben oder kein Interesse an irgendwas. Dabei ist es für uns besonders schwierig, eine politische Haltung überhaupt zu entwickeln, weil es gar keine klaren Feindbilder mehr gibt. Das einzig klare Feindbild, das es vielleicht noch heute gibt, sind solche Großkonzerne wie Monsanto. Aber davon wissen, auf die breite Masse bezogen, ja auch nur die allerwenigsten. Wenn man das vergleicht mit den Achtzigern, der Zeit des Kalten Kriegs, in dem die Russen die Bösen waren, hat sich das alles total relativiert. Über die Russen wusste man nichts und an den Amis orientierte man sich. Vielleicht ist es auch so schwer geworden, Stellung zu beziehen, weil wir alle von den Medien so oft beschissen wurden. Im Fernsehen hat das mit Serien wie den Simpsons angefangen: Sie haben einen Humor etabliert, dem nichts heilig ist. Und weil die Serie so boshaft ist, kommt sie so gut bei den jungen Leuten an. Es ist aber nicht so schwarz-weiß. Die eindeutig Bösen, eindeutig Guten gibt es nicht. Alle sind grau durchmischt.

Die Texte deiner „Fisch“-EP richten sich an junge Menschen. Gleichzeitig geht es auch um die Probleme der Generation Y. Warum hast du dich darauf fokussiert?

Generation Y ist für mich kein Begriff, der besonders präsent ist in meinem Bewusstsein. Was mich vor allem fasziniert hat, ist der Gedanke, dass man als Kind noch offener gegenüber anderen Dimensionen ist. Wenn man auf die Welt kommt, ist man kein unbeschriebenes Blatt und hat schon einen Charakter. Trotzdem haben wir zu diesem Zeitpunkt noch keine Vorurteile. Dieses kindliche Durch-die-Welt-gehen habe ich versucht auf der EP herauszuarbeiten. Trotzdem ist es nun mal so, dass man nicht ewig Kind bleibt. Man muss erwachsen werden und mit dieser Welt klarkommen. Dementsprechend sind die Texte nicht so rosarot. Sie haben diesen Hippie-Ansatz, dass wir alle gerne noch mal Kind sein würden, aber wir können es eben nicht. Und das ist auch in Ordnung. Es macht ja auch Spaß, erwachsen zu sein.

Darum drehen sich auch die Texte: Es geht darum, dass man versucht, seinen Platz in der Welt zu finden, eine eigene Identität zu formen und irgendwie mit der Welt zurechtzukommen. So sagst du im Song „Fisch“: „Ich bin ganz ruhig, meine Miete ist nicht gezahlt.“ Warum war es dir wichtig, über solche Themen zu schreiben?

Diese Zeile entsprach in dem Moment einfach der Wirklichkeit. Ich habe das schon so oft erlebt. Ich mache ja nur Musik und sonst nichts, deshalb muss mein Vermieter auch einfach manchmal öfter auf seine Miete warten. Am Anfang hat mich das total fertiggemacht, wenn ich mal kein Geld hatte. Ich war sehr oft in der Situation, dass ich Rechnungen nicht zahlen konnte und keine Kohle für gar nichts hatte. Am Anfang hat mich das total fertiggemacht. Aber wenn man zum x-ten Mal in dieser Situation ist, checkt man, dass es trotzdem weitergeht. Das ist vielleicht die Überschrift für den Song „Fisch“. Die Welt fuckt dich ab und du versuchst, darin deinen Platz zu finden und scheiterst dabei. Scheiterst zehntausendmal und am Ende guckst du zurück und merkst, dass das alles doch ganz nett war.

Der Song „Bleib doch einfach hier“ dreht sich um unsere junge Generation, die ihren Eltern gegenübersteht. Sie sind „nur gemeine alte Männer und Frauen, wie könnten die jemals das hier verstehen“. Was verstehen die Alten nicht an uns?

Der Song ist über jemanden, den ich sehr liebe. Um auf deine Frage zurückzukommen: Man vergisst Dinge, wenn man erwachsen wird. Man vergisst einfach, wie es sich angefühlt hat, ein Kind zu sein, was damals wichtig war und das Leben bestimmt hat. Man neigt dazu, zu sagen, dass man damals noch keine Sorgen hatte. Aus der Erwachsenen-Sicht stimmt das auch, aber es fühlte sich damals ja nicht so an. Das Leben hat sich damals genauso wichtig, intensiv und existentiell angefühlt, wie es sich jetzt anfühlt. Nur, dass die Probleme ein bisschen anders sind. Mit dem Satz „Wie könnten die das jemals verstehen“ wollte ich einfach sagen: Die ältere Generation hat es vergessen. Sie wissen nicht mehr, wie es war, obwohl sie selber mal in der gleichen Situation waren.

Wie kann man der Einflussnahme von Älteren auf den eigenen Charakter entgegentreten?

Das ist natürlich absolut schwierig, weil man als junger Mensch immer zu älteren aufblickt und sich an irgendwelchen Vorbildern orientiert. Da kommt es ganz krass drauf an, dass man sich die richtigen Vorbilder aussucht. Natürlich sind die Eltern immer wichtige Leitbilder. Aber das ist ja einfach willkürlich. Im Prinzip kann das Kind nichts dafür. Man kann jetzt sagen, die Seele kann etwas dafür, die hat sich die Eltern ausgesucht. In Esoterikkreisen sagt man das. Aber im Endeffekt ist man als Kind den Erwachsenen ausgeliefert. So ist das einfach.

Wer nimmt noch Einfluss auf uns, zum Beispiel in unserer Kindheit?

Die Grundschule. Sie war für mich persönlich die schrecklichste Zeit in meinem Leben. Da kommt man aus dem Kindergarten und erst ist alles Friede, Freude, Eierkuchen. Man hat gar keine Obligationen. Dann kommt man in die Grundschule und muss sofort 20 verschiedene Hefte haben, die man immer am richtigen Tag zur richtigen Stunde parat haben muss. Mich hat das krass überfordert. Ich war dann plötzlich richtig abgeschrieben. Dann habe ich mit Ach und Krach eine Gymnasialempfehlung bekommen. Auch nur, weil ich mich dann reingehängt habe. Also ist „Bleib doch einfach hier“ eigentlich ein bisschen eine Verarbeitung dieser Grundschulzeit. Auch wenn es nicht explizit um mich geht.

Wie gehst du heute damit um, wenn andere versuchen, dich zu beeinflussen?

Ich habe grundsätzlich die Tendenz dazu, mich dann zu verschließen und zu sagen: „Nein, fickt euch alle. Ich mache das eben nicht so.“ Das hatte ich auch schon von Anfang an. Trotzdem gibt es immer Leute, die man cool findet. Ganz nach dem Motto: „Der ist aber toll. Das und das kann der aber besonders gut.“ Und wenn so jemand dir dann einen Rat gibt, dann ist das wieder eine ganz andere Geschichte. Ich versuche gerade, Gedanken von anderen öfter mal anzunehmen. Oder wenigstens nachzuvollziehen.

Eine Zeile aus deinem Song „Fisch“ lautet: „Ich bin ein Fisch in kochendem Wasser. Ein Schneemann in the sun.“ Dann schließt du damit, dass dir das irgendwann keine Angst mehr macht. Das klingt nach einem sehr gesunden Selbstbewusstsein. Würdest du dich selbst so beschreiben?

Doch, das muss man so sagen. Wenn man die Kamera ganz rauszoomt und die ganze Menschheit aus einer Vogelperspektive betrachtet, sehe ich mich auf der selbstbewussten Seite. Natürlich fühle ich mich nicht jederzeit selbstbewusst in jeder Situation. Doch es ist ein bisschen ein Hobby von mir, mich in Situationen zu begeben, die nicht unbedingt angenehm sind, und dann zu versuchen, damit klarzukommen.

Warst du immer schon selbstbewusst oder hat sich das entwickelt?

Das ist absolut eine Wellenbewegung. Ich glaube, ich bin mit einem ganz guten Grundselbstbewusstsein auf die Welt gekommen und hatte auch das Glück, sehr liebende Eltern zu haben. Das hilft natürlich total. Das haben nicht alle. Dazu war ich noch der Erstgeborene von uns Brüdern, und deshalb wurde ich von der ganzen Großfamilie total verhätschelt. Ich glaube, was man da mitkriegt in den ersten Jahren, das kann auch keine Grundschule so schnell kaputtmachen.

Was würdest du denn anderen Menschen in deinem Alter raten, um Selbstbewusstsein aufzubauen?

Was heißt Selbstbewusstsein? Man muss erst mal ein Bewusstsein für sich selbst entwickeln. Es heißt, man ist sich seiner selbst bewusst. Das bedeutet, man muss auch ganz klar seine Fehler und Unzulänglichkeiten angucken. Das ist schmerzhaft und man hat blinde Flecken, die man auf gar keinen Fall sehen will. Aber es lohnt sich. Man geht da echt anders raus. Zum Beispiel lisple ich und habe das jahrelang nicht gehört. Da hatte ich einen absolut blinden Fleck. Neulich hat mir jemand gesagt: „Tristan, du lispelst.“ Und dann habe ich gedacht: „Quatsch, das stimmt doch überhaupt nicht.“ Dann habe ich aufgehorcht und selber ein bisschen besser zugehört und plötzlich gemerkt: „Ja, stimmt, der hat Recht. Ich lisple. Fuck, ich bin Sänger und lisple. Das geht ja gar nicht.“ Das hat mich echt kurz abgefuckt. Aber jetzt habe ich es nach einer Weile irgendwie akzeptiert und ich bin mir meiner selbst bewusst: Tristan ist ein Sänger, der lispelt. Es macht dich zufriedener, Dinge über sich selbst zu wissen, ohne sie direkt als besonders gut oder schlecht zu bewerten. Das würde ich jedem empfehlen.

Tristan Brusch Tristan Brusch

Wie ist dein Verhältnis zu deinen alten Platten?

Der große Unterschied zu der jetzigen Platte ist, dass ich damals Musik auf Englisch gemacht habe. Das war eine Findungsphase. Ich habe mit 14 angefangen, Songs zu schreiben, und habe da vor allem englische Musik gehört. Deshalb habe ich automatisch gedacht, Popmusik muss Englisch sein. Zu den meisten meiner damaligen Songs habe ich ein gutes Verhältnis. Für viele wirkt es so, als ob die „Fisch“-EP meine erste Platte ist, aber ich habe davor schon elf Alben gemacht. Trotzdem ist die aktuelle EP etwas Besonderes für mich. Aber im Prinzip ist das für mich nicht so in Vorher und Nachher gerissen. Natürlich habe ich durch meine Tour mit den Orsons plötzlich eine größere Aufmerksamkeit darauf, was ich da so fabriziere. Manchmal muss ich auch lachen, wenn ich Sachen höre, die ich damals gemacht habe. Aber ich finde das schon ok.

Wie kam es zum Wechsel von Englisch zu Deutsch?

Früher hatte ich den Fokus viel mehr nur auf der Musik. Ich hatte schon ganze Alben fertig, ohne dass ich Texte dazu hatte. Dann dachte ich: „Scheiße, Pop als Format braucht einen Text. Also schreibe ich jetzt irgendeinen englischen Text.“ Aber ich habe schon gemerkt, dass das nur die halbe Miete ist. Ich habe mich jahrelang nicht getraut, auf Deutsch zu schreiben, weil ich finde, dass die Sprache gleich so sperrig ist. Ich habe mich am Anfang ein bisschen schwergetan, weil es entweder schnell unfassbar verkopft oder ganz kitschig klingt. Der Grat ist ganz schmal bei der deutschen Sprache. Man muss gut aufpassen, um die passenden Worte zu sagen und im richtigen Moment nichts zu sagen. Wenn man das in die eine oder andere Richtung kippt, dann ist das sofort nicht mehr das, was man sagen will. Da ist die englische Sprache viel dankbarer. Man redet irgendwas und schon ist alles gut.

Wie viel Einfluss hatten deine Kollegen von den Orsons auf deinen Sprachwechsel?

Einen sehr großen Einfluss, weil ich einfach so viel mit denen abgehangen habe. Das sind vier Rapper, die deutsche Musik machen und einen ganz anderen Zugang zu Sprache haben. Bei Rap ist die Textdichte einfach sehr hoch. Wenn die zu viert sind, ist das wie ein vierköpfiges Monster. Die hören auch nicht auf zu performen, nur weil sie gerade nicht auf der Bühne sind. Da wird die ganze Zeit ein Scheiß dahergeredet und die machen einen richtigen Wettbewerb daraus. Wer sagt das Lustigste, wer hat das beste Wortspiel, wem fällt in der Situation der witzigste Spruch ein, der sich dann wieder auf einen vorherigen Spruch bezieht. Die haben darin so eine krasse Kunstfertigkeit entwickelt. Die sind in so komischen Metaebenen, dass sich das so spiralförmig hochschraubt. Es hat mich nachhaltig beeindruckt, dass Leute so komisch omnipräsent mit Sprache umgehen. Das hat total auf mich abgefärbt und auch auf meine Art zu texten. Aber sie hatten keinen Einfluss auf die Themen, die ich gewählt habe. Das gar nicht.

Die Orsons haben dich bei ihrem Song „Jetzt“ gesampelt. Wie wichtig war das für deine Karriere?

Absolut wichtig. Der Song beinhaltet ein Sample aus einem ganz alten Lied von mir. Das heißt „Little Funny Man“, das ich mit 17 aufgenommen habe. Der Song kam auf einem kleinen Label raus mit kleiner Auflage und ich habe eine kleine Tour damit gespielt. Dann ist es in Vergessenheit geraten. Jahre später haben mich die Orsons kontaktiert, dass die das Lied gesampelt haben. Ich hatte fast vergessen, dass es das Lied überhaupt gab. Auf keinen Fall hätte ich gedacht, dass damit noch irgendwas passiert. Ich kannte die Orsons gar nicht, weil ich eigentlich nicht aus dem Rap-Kontext komme. Ich dachte, die wären irgendwelche Lokalmatadoren aus meiner Heimatstadt. Dann hatte ich zufällig an dem Tag, an dem ich die E-Mail bekommen habe, dass die das Sample verwenden wollen, ein Konzert in der Nähe von Stuttgart, wo die alle herkommen. Dann habe ich sie eingeladen, und Maeckes kam. Es war Liebe auf den ersten Blick. So ging das dann seinen Lauf. Ich habe über die Orsons viele Leute kennengelernt, mit denen ich jetzt auch zusammenarbeite. Die Jungs, mit denen ich jetzt auf Tour bin, sind zum Teil auch aus dem Orsons-Kontext. Dieser Song, den ich da mit 17 Jahren auf der Bettkante geschrieben habe, hat auf jeden Fall viel mehr verändert, als ich jemals gedacht hätte.

In dem Song geht es auch um den „Früher war alles viel besser“-Spruch der Alten. Was wird man deiner Meinung nach in 20 bis 30 Jahren über dieses Jahrzehnt sagen?

Was sich natürlich gerade immer mehr verabschiedet, ist, dass man nur eine Sache auf einmal konsumiert. Oder überhaupt mal kurz gar nichts konsumiert. Ich merke das selber. Ich kann kaum mehr einen Film gucken, ohne nebenbei auf meinem Handy noch etwas Anderes zu machen. Das kann man ja weiterspinnen. Es gibt demnächst diese Facebook-Profilvideos. Dann gibt es dieses Periscope. Das ist, als ob man quasi live bei irgendwelchen Leuten auf der anderen Seite vom Globus dabei sein kann. Wenn man sich vorstellt, dass das irgendwann nicht mehr auf dem Handy stattfindet, sondern mit irgendwelchen komischen Google-Brillen, ist das so absurd multidimensional. Man kann dann in so vielen verschiedenen Realitäten unterwegs sein. Vielleicht sagt man in 20 Jahren: „Krass, damals gab es nur eine Realität und nur eine Welt. Man musste sich irgendeinen Film angucken, um irgendwo anders zu sein. Darüber könnte man vielleicht meckern in 20 Jahren.

Und was macht unser jetziges Jahrzehnt großartig?

Ist im Jahr 2016 irgendwas großartig? Ich finde es gerade eigentlich richtig scheiße. Vor allem bei dem, was gerade so in Deutschland passiert, um den Topf noch aufzumachen: Dass rechte Strukturen sich immer weiter festigen und das Rechte immer mehr in die Mitte rücken. Und dass diese Entwicklung keinen Aufschrei hervorruft. So viel Geiles zu berichten gibt es gerade nicht.

Eine typische Bewerbungsgesprächsfrage unserer Generation: Wo siehst du dich in fünf Jahren?

Ich möchte bis dahin auf jeden Fall mein Debütalbum veröffentlicht haben und natürlich viel getourt sein, weil ich das einfach liebe. Ich möchte gerne mehr Zeit verbringen mit den Leuten, mit denen ich tagtäglich abhänge und mehr Musik machen. Ich arbeite gerade noch an einem ganz großen Projekt, das auch noch dieses Jahr erscheinen wird. Dazu möchte ich jetzt aber noch nicht mehr sagen. Aber vielleicht bin ich in fünf Jahren auch tot. Das kann ja auch sein.

Tristan Brusch @ LUX Hannover Tristan Brusch @ LUX Hannover Tristan Brusch @ LUX Hannover

Interview: Kevin Spilker
Fotos: Sebastian Mast
Ton & Technik: Nicolas Schabram

Cover: Dad Rocks! von nuncafe (CC BY-NC 2.0)

Diese Episode wurde veröffentlicht unter der Creative Commons Lizenz Namensnennung 3.0 Deutschland (CC BY 3.0 DE).


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