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OK Kid: „Wir sind aber keine krassen Drug-Addicts!“

Backstage

Ehrlich, hautnah und noch ein bisschen verschwitzt – so mögen wir unsere Interviewpartner am liebsten. Backstage ist die Sendung für diejenigen, die nie genug von exklusiven Infos aus erster Hand und wilden Geschichten rund um Tourleben, Musikproduktion und Künstlerdasein bekommen können. Wir bitten Künstler aller Couleur zum Gespräch in die Backstage-Räume der Hannoverschen Clubs.

[027] OK Kid: „Wir sind aber keine krassen Drug-Addicts!“

v.l.n.r.: Daniel (Ernst.FM), Raffi, Anna (Ernst.FM), Jonas Schubert & Moritz Rech

Daniel und Anna hatten die Ehre, zum Rocken am Brocken Festival in den Harz zu fahren, genauer in das kleine Örtchen Elend bei Sorge. Es war ein langer, holpriger und steiler Weg. Aber letztendlich sind sie angekommen und haben sich nach einem grandiosen Gig mit den Jungs von OK Kid auf ein Bier getroffen.


Euer Song „Grundlos“ beschreibt ein grundloses Glück in der Welt. Aber ist das, gerade vor den Hintergründen des aktuellen Weltgeschehens, so einfach möglich?

Jonas: Natürlich ist es schwierig, tatsächlich jeden Tag glücklich zu sein. Aber eigentlich gibt es jeden Tag einen Grund zum Feiern. Der Song handelt davon, dass man auch in schwierigen Situationen glücklich sein und aus seiner Lage das Beste machen kann.

Der Song „Allein zu zweit zu dritt“ spricht dagegen eine eher pessimistische Haltung an. Sind eure Songs als Kritik an der Welt zu verstehen?

Raffi: Die Grundaussage des Songs ist, dass es egal ist, was die anderen machen. Hör auf deine Stimme und mach dein Ding. Vielleicht kann man den Song pessimistisch auslegen, aber eigentlich ist er positiv gemeint.

In eurem Song „Grundlos“ heißt es: „Simsala-Gin, schau nochmal ins Glas, alles wieder halb so schlimm“. Denkt ihr, dass mit Alkohol alles besser läuft?

Jonas: Wenn dich Drogen in dem Moment glücklicher machen und du Bock darauf hast, warum nicht? Wir werden nicht mit dem Finger auf dich zeigen und sagen, dass Drogen scheiße sind. Das macht uns aber auch nicht zu krassen Drug-Addicts. Gelegentlich ist es besser, sich einen reinzustellen und eine gute Zeit zu haben, als zuhause zu sitzen und darüber zu grübeln, warum es einem so scheiße geht. Das ist aber keine Aufforderung zum Saufen. Letztendlich muss jeder selbst wissen, wie er am besten klarkommt und was er sich zuführt. Ich will nicht darüber urteilen, ob jemand, der sich zweimal im Monat eine Nase zieht, schlechter ist als jemand, der sich dreimal die Woche einen Alkohol-Vollrausch verpasst.

Okay, aber ein verantwortungsvoller Umgang mit Drogen ist ja schon wichtig. Wie steht ihr zur Marihuana-Legalisierung?

Jonas: Wir alle rauchen gerne Joints. Das ist für mich nichts Schlimmes. Viele ältere Menschen können nicht zwischen verschiedenen Drogen unterscheiden. Da wird man als Haschisch-Raucher gerne mal mit jemandem verglichen, der an der Nadel hängt. Ich finde es wichtig, zu differenzieren und über die Unterschiede aufzuklären. Und grundsätzlich muss jeder selbst wissen, was er mit sich macht. Klar, man muss 14-Jährige dafür schützen, dass sie sich morgens vor der Schule eine Bong reinpfeifen. Ich glaube aber nicht, dass Marihuana die Gesellschaft und uns Menschen schlechter macht. Wir haben viel schädlichere Dinge, die gesellschaftlich akzeptiert sind, als das Kiffen.

Als Bandmitglied muss man offen sein für neue Städte und neue Länder. Freut ihr euch trotzdem noch auf eure Heimat?

Raffi: Wir glauben nicht, dass unsere Heimat die Allerschönste ist. Unser Verhältnis ist eher zwiespältig. Gießen ist einfach eine unglaublich hässliche und asoziale Stadt, trotzdem geht in Anbetracht der Größe dann doch relativ viel, gerade im Musikbereich. Wir sind geprägt von der Stadt, es ist auf jeden Fall ein Ort, wo man gerne hinfährt. Aber jede Woche muss man deshalb nicht dort sein, einmal im halben Jahr reicht auch.

Raffi, du hast ja auch mal in Hannover gewohnt. Wie hat dir die Stadt gefallen?

Raffi: Ich habe nur zwei Jahre in Hannover gewohnt. Einige Sachen fand ich geil, zum Beispiel die Glocksee, wo man gut feiern konnte. Am allergeilsten war aber Silke Arp Bricht, eine illegale Bar in Linden. Da ist man eine wacklige Holztreppe runter gegangen und dann war man direkt im Barbereich. Wenn man ein Bier bestellt hat, hat der Barkeeper gefragt, was man dafür bezahlen will oder ob man es einfach so haben möchte. Das hat tatsächlich funktioniert. Wenn man nur noch 1,80 Euro hatte, dann waren alle zufrieden. Es war megalustig und sehr speziell dort, auf jeden Fall der beste Laden in Hannover. Irgendwann haben sie dann aber leider zugemacht.

Wir selber hören und machen gerne Radio. Hört ihr überhaupt noch Radio?

Moritz: Ich höre gar kein Radio mehr, aber deswegen wird Radio nicht aussterben. Radio ist nach wie vor wichtig, es müsste sich nur mal ein bisschen neuerfinden. Als wir vor ein paar Jahren in England waren, haben wir mitbekommen, dass sie dort extrem experimentelle Sachen im Radio spielen. Dort wird das Publikum besser erzogen, als das in Deutschland der Fall ist. Wahrscheinlich liegt das an dem starken Quotendruck hier. Ich fände es geil, wenn das Radio etwas experimenteller wird und man auf neue Sachen gestoßen wird. Zur Not kann man immer auf internationale Sender umsteigen, aber es wäre schon geil, das auch hier zu haben.


Die Jungs von OK Kid äußern hier durchaus kontroverse Meinungen rund ums Thema Drogen. Was meint ihr, wo ist eure Grenze? Ist es tatsächlich in Ordnung, sich in schlechter Verfassung hin und wieder „einen reinzustellen“ oder sollte man in diesem Fall doch lieber zuhause sitzen und darüber grübeln, warum es einem so scheiße geht? Schreibt uns eure Haltung dazu in die Kommentare!


Cover: Dad Rocks! von nuncafe (CC BY-NC 2.0)

Diese Episode wurde veröffentlicht unter der Creative Commons Lizenz Namensnennung 3.0 Deutschland (CC BY 3.0 DE).


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