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Moglebaum: „Gurki ist auf Stärke hypermega.“

Backstage

Ehrlich, hautnah und noch ein bisschen verschwitzt – so mögen wir unsere Interviewpartner am liebsten. Backstage ist die Sendung für diejenigen, die nie genug von exklusiven Infos aus erster Hand und wilden Geschichten rund um Tourleben, Musikproduktion und Künstlerdasein bekommen können. Wir bitten Künstler aller Couleur zum Gespräch in die Backstage-Räume der Hannoverschen Clubs.

[023] Moglebaum: „Gurki ist auf Stärke hypermega.“

Alessandro Fama, Simon Ebener-Holscher, Franzi Geiß, Jonas Geyersberger, Tonio Geugelin (Foto: Lukas van Bentum)

Unsere Moderatoren Daniel und Chrissi haben Franzi, Simon und Alessandro von der Düsseldorfer Band Moglebaum getroffen. Nach einer kleinen Runde Pokémon-Raten zum Einstieg erzählen die drei uns, was sie musikalisch beeinflusst, wie es zu dem AnnenMayKantereit-Remix kam und wer oder was Gurki ist.


Das letzte zu erratende Pokémon war natürlich Moglebaum, womit wir auch gleich beim Thema wären. Erzählt uns doch erstmal ein bisschen etwas über Moglebaum.

Simon: Ich habe früher immer auf dem Gameboy Pokémon gespielt. Moglebaum kommt in der roten Edition vor. Man musste Moglebaum mit der „Shiggy-Kanne“ verjagen, um weiterzukommen. Das Interessante an Moglebaum ist vielleicht, dass es den Anschein hat, als wäre es ein lupenreiner Baum, also ein Pflanzen-Pokémon, tatsächlich ist es aber ein Gestein-Pokémon und reagiert deshalb empfindlich auf Wasser. Damit kann man es dann verjagen.

Hast du dich mit Moglebaum als wasserscheuem Pokémon identifiziert und deshalb den Band-Namen gewählt?

Simon: Nein, das hat damit nichts zu tun. Wir haben Moglebaum vielleicht aus dem Grund gewählt, dass uns diese Fantasiewelt immer sehr fasziniert hat. Wir wollen auch mit unserer Musik etwas schaffen, in das Leute sich hineinflüchten können. Der Baumaspekt, der ein bisschen für die akustische Seite unserer Musik steht, ist quasi die natürliche Seite und andererseits mogelt sich auch die Elektronik immer mit rein. Wir verbinden akustische und elektronische Musik. Moglebaum ist dafür sozusagen eine Metapher.

Simon, du hast das Projekt Moglebaum gestartet und studierst momentan Jazz-Piano. Wie wichtig war es dir beim Projekt Moglebaum, die instrumentalen Klänge auch in die elektronische Musik miteinfließen zu lassen?

Simon: Man ist auf jeden Fall beeinflusst von dem, was man hört und was man gerne mag. Wenn man jetzt vielleicht die Harmonie unserer Musik analysieren möchte, kommt man bestimmt zu dem Ergebnis, dass wir gerne Jazz-Harmonien, Funktionstöne und Siebenen verwenden. Aber das ist gar nicht unsere Intention. Wir hören einfach gerne Bands wie Caribou oder Bonobo. Und gerade Bonobo ist ja das perfekte Beispiel dafür, wie toll Musik sein kann, wenn Elektronik, ein ganzes Orchester und Streicher miteinander in Kombination geraten. Davon sind wir natürlich beeinflusst, das finden wir toll und das hört man vielleicht auch.

In euren Songs hört man auch oft, dass ihr Geräusche von Alltagsgegenständen verwendet. Was ist die Intention dahinter?

Alessandro: Ja, gute Frage. Ich bin vor allem ein Fan von der Los-Angeles-Szene und da gefällt mir, dass die Künstler eine sehr spielerische Art haben und selbst viele Field-Recordings haben, die dann in Beats umwandeln und mit Jazz und Hip-Hop verbinden. Diese spielerische Art, dass man einfach etwas aus seinem Zimmer aufnimmt und dann Beats oder perkussive Elemente beimischt, das finde ich eben spannend.

Wo hört Geräusch auf und wo fängt Sound an?

Alessandro: Also ich würde sagen, Geräusch ist ja auch ein Sound. Ich studiere Musikwissenschaften und heutzutage würde man sagen, dass es einen allgemeinen Soundbegriff gibt: Geräusche sind Sound, aber auch alles andere, was einen Ton erzeugt.

Denkst du dir dann: „Heute habe ich mal Bock, eine Kaffeemaschine aufzunehmen“?

Alessandro: Man experimentiert sehr viel, spielt mit Sounds rum und effektiert sie in der Software. Dann findet man etwas spannend, aber manchmal funktioniert der Sound der Kaffeemaschine dann eben doch nicht.

In welcher Weise beeinflusst euch euer Musik-Studium?

Alessandro: Ich studiere Musikwissenschaft, weil ich gerne auf einer theoretische Ebene lernen wollte. Für Musikwissenschaften muss man kein Instrument spielen können. Praktisch mache ich hauptsächlich für mich alleine Musik und hobbymäßig in der Band.

Franzi: Ich studiere gar kein Musik. (lacht)

Simon: Ich glaube nicht, dass das Studium großen Einfluss auf unsere Musik hat. Franzi studiert nichts mit Musik, sondern ist im sozialen Segment tätig. Sie hört aber viel Musik und hat eine klassische Gesangsausbildung gemacht – das hört man auch. Meinen Horizont erweitert das Studium zwar schon, aber man muss trotzdem selber schauen, was einem gefällt und das dann machen. Ich glaube, man braucht keine musikalische Ausbildung, um tolle Musik zu produzieren.

Momentan wird die Mainstream-EDM (Electronic Dance Music) sehr gehypt. Davon unterscheidet ihr euch musikalisch sehr. Wie steht ihr zu diesem Trend und wo würdet ihr eure Musik einordnen?

Simon: Dieser Hype existiert schon länger, elektronische Musik gibt es bereits seit den Achtzigerjahren und ist mittlerweile im Mainstream angekommen. Man hört inzwischen sogar auf Sendern wie 1LIVE elektronische Musik. Wir sind aber eher beeinflusst von Techno. In den letzten zehn Jahren haben wir außerdem mehr und mehr Cross-Over-Projekte gemacht und in dieser Ecke wollen wir uns gerne positionieren. Soul und Jazz mit Elektronik zu verbinden und sich die Elemente, die einem aus den Genres gefallen, herauspicken und am Ende vielleicht ein neues Genre kreieren.

Ihr habt vor einiger Zeit „Wohin du gehst“ von AnnenMayKantereit geremixt, die wie ihr aus Köln kommen. Wie ist diese Kollaboration zustande gekommen?

Simon: Das ist eine ganz alte Geschichte. Ich war früher mal mit Henning und Severin von AnnenMayKantereit im Urlaub. Seitdem haben wir miteinander zu tun. Man trifft sich am Brüsseler und trinkt abends mal ein Bier. In den ersten Momenten, in denen AnnenMayKantereit durch die Decke gingen, habe ich gefragt, ob sie sich vorstellen könnten, von dem Song einen Remix zu haben. Sie waren direkt angetan von der Idee. Henning hat sich sogar – weil das Instrumental, das ich für ihn geschrieben habe, einen Halbton zu tief war – nochmal hingesetzt und seinen Gesang neu für mich aufgenommen. Das Ergebnis davon ist der Remix von „Wohin du gehst“.

Moglebaum beim Fuchsbau Festival

Ihr habt, unter anderem mit der Unterstützung eines französischen Labels, schon einige EPs veröffentlicht. Was kann man in nächster Zeit noch von Moglebaum erwarten?

Simon: Wir sind nicht an das französische Label Cosmonostro gebunden, aber wir haben eine EP bei ihnen veröffentlicht. Cosmonostro begreift sich als Internetplattform, die aktuelle, futuristische Musik sammelt. Es ist ein reiner Online-Vertrieb. Ein Projekt, das wir im nächsten Jahr auf jeden Fall angehen wollen, ist ein erstes richtiges Album. Ansonsten gibt es zwei EPs von zwei unterschiedlichen Labels, die man bei Spotify und iTunes hören kann.

Wir haben erfahren, dass ihr früher auch selbst Pokémon gezeichnet und erfunden habt.

Alle: Waaas? Wikipedia lügt!

Franzi: Simon, hast du das mal gemacht?

Simon: Ja, ich habe mal Pokémon gezeichnet. Ich habe noch eine Mappe zu Hause mit so 370 selbst gezeichneten Pokémon und ausgedachten Attacken. Ich habe mir zum Beispiel Gurki ausgedacht, es ist auf Stärke hypermega. Das kleinste und stärkste Pokémon aus dieser Reihe kann zum Beispiel den Gurkenschlag. Damit schlägt es alle anderen Pokémon. Als Kind hat mich das fasziniert.

Sieht Gurki aus wie eine kleine, saure Gurke?

Simon: Ja, aber ohne Pickel. Wie ein gelecktes Würstchen in grün. Es ist der Pubertät schon entschlüpft.


Cover: Dad Rocks! von nuncafe (CC BY-NC 2.0)

Diese Episode wurde veröffentlicht unter der Creative Commons Lizenz Namensnennung 3.0 Deutschland (CC BY 3.0 DE).


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