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Les Loups: „Unser Sound ist kein Deutschlandsound.“

Backstage

Ehrlich, hautnah und noch ein bisschen verschwitzt – so mögen wir unsere Interviewpartner am liebsten. Backstage ist die Sendung für diejenigen, die nie genug von exklusiven Infos aus erster Hand und wilden Geschichten rund um Tourleben, Musikproduktion und Künstlerdasein bekommen können. Wir bitten Künstler aller Couleur zum Gespräch in die Backstage-Räume der Hannoverschen Clubs.

[022] Les Loups: „Unser Sound ist kein Deutschlandsound.“

Foto: Kevin Münkel Fotografie

Chrissi, Daniel und Clara haben sich auf dem Fuchsbau Festival mit zwei der drei Mitgliedern von Les Loups getroffen. Die DJs sind in der Elektro-Szene von Hannover groß geworden, haben sich aber mittlerweile dazu entschlossen, ihr musikalisches Glück im nicht ganz so fernen Hamburg zu suchen. Was ist eigentlich mit der Elektroszene von Hannover los? Das haben Antonio und Philipp von Les Loups in unserem Festival-Interview beantwortet.


Philipp und Antonio, ihr kommt beide aus Hannover. Glaubt ihr, dass die Stadt ein guter Standpunkt ist, um seine Karriere in der elektronischen Musik zu starten?

Antonio: Das ist eine heikle, aber gute Frage. Wir glauben nicht, dass Hannover im Moment dafür ein geeigneter Standpunkt ist. Die Stadt folgt nur den Trends und macht es einem schwer, etwas Neues zu etablieren. Wahrscheinlich kommt das mit der Zeit, wir haben uns aber lieber nach Hamburg orientiert.

Philipp: In Hamburg geht in der Musikrichtung, die wir machen, mehr. In Hannover war es zum Beispiel sehr schwer, unsere Partyreihe Paradisco zu etablieren. Sie hat einfach nicht dorthin gepasst.

Könnt ihr die Elektroszene von Hannover noch genauer definieren?

Antonio: Hannover hat einen Strom, dem alle folgen. Vor ein paar Jahren war das zum Beispiel Minimal. Das feiern dann alle und keiner lässt sich davon abbringen. Die Elektroszene von anderen Städten wie Berlin hingegen ist um Einiges vielschichtiger. Dort funktioniert Techno, Underground und vieles Andere gleichzeitig. In Hannover habe ich das Gefühl, es funktioniert immer nur eine Richtung.

Philipp: Du brauchst in Hannover schon von Beginn deiner musikalischen Karriere an Leute, die deine Musik feiern. Dann kannst du anfangen, deine ersten Partys zu organisieren und hast eine Chance. Die Konkurrenz ist viel härter als in Städten wie Berlin, weil das Publikum vergleichsweise klein ist.

Seid ihr deshalb nach Hamburg gegangen?

Philipp: Die Geschichte mit Hamburg ist anders entstanden. Ich bin als Erster von uns drei dorthin gezogen, um Audio Engineering zu studieren. Die anderen sind dann später hinterhergezogen.

Wolltet ihr nicht auch weiterhin in Hannover Musik machen, um die hiesige Elektroszene zu verändern?

Philipp: Wir sind zu passiv und zu bescheiden, als dass wir in Hannover groß etwas verändern könnten. Wir sind zu zurückhaltend, um Leute auf unsere Seite zu ziehen. Dafür sind andere Rampensäue besser geeignet.

Habt ihr trotzdem Ideen, wie man Hannover musikalisch vielschichtiger machen könnte?

Antonio: Eine Veranstaltung wie das Fuchsbau Festival ist schon mal ein sehr guter Anfang. Die Organisatoren führen die internationalen Acts mit Künstlern aus Hannover zusammen. Außerdem findet man auf dem Festival Musiker mit sehr vielen unterschiedlichen Sounds. Zudem werden hier Acts und Publikum aus Hannover an einem Ort zusammengebracht und es kann so etwas wie eine Hannover-Connection entstehen. Man bekommt bei der Veranstaltung ein Gesamtbild von Hannovers Elektro-Landschaft. Das ist ein besserer Weg, als im Alleingang die Clubszene von Hannover zu reformieren.

Les Loups

Philipp Landmann & Antonio Seoane Dominguez von Les Loups (rechts)

Kehrt ihr irgendwann in ein paar Jahren reich an Erfahrung wieder nach Hannover zurück?

Philipp: Paradisco und solche Geschichten von uns wird es in Hannover nicht mehr geben. Trotzdem hatten wir bei unseren Auftritten bei der Fête de la musique oder auf dem Fuchsbau Festival wieder ein echt gutes Gefühl. Vielleicht werden wir dadurch auch in Hannover etwas bekannter und kommen besser an.

Antonio: Ich glaube, dass unser Problem ein anderes ist: Unser Sound ist kein Deutschlandsound. Trotzdem bleibt unsere Ambition, es auch in Deutschland zu schaffen und uns zu etablieren.

Hinkt Deutschland bei der elektronischen Musik hinterher?

Philipp: Manchmal bin ich schon überrascht, dass bestimmte Künstler hier niemandem etwas sagen. Oder wie verzögert die Musik hier in Deutschland ankommt. In England oder Frankreich wissen die Leute schon eher, was gerade in oder im Kommen ist.

Ist euer Sound im Ausland gefragter als in Deutschland?

Philipp: Wir kriegen mehr Bookings aus dem Ausland und können uns dort besser verkaufen. Wenn wir in Berlin spielen, sind wir keine große Nummer, aber wenn wir in Paris sind, merkt man schon einen Unterschied. Der Sound kommt da viel besser an. Im Ausland bekommt man die Auftritte, bei denen man merkt: Dafür mache ich das alles.

Nehmt ihr von euren Reisen zu Konzerten irgendwelche Eindrücke mit, die euch inspirieren?

Antonio: Ja, denn wir haben viel Kontakt zu ausländischen Acts und die beeinflussen uns sehr. Musikalisch und auch in allem, was sonst zum Artist-Sein dazugehört.

Philipp: Es ist auch ein großer Ansporn, wenn du andere Künstler schon länger verfolgst und sie dann total durchstarten. Wir sagen uns dann immer: „Kommt Jungs, das machen wir jetzt auch so.“

Was wird musikalisch in nächster Zeit noch von euch kommen?

Antonio: Wir arbeiten an einer EP, die musikalisch in eine andere Richtung geht als bisher. Wir finden gerade unseren eigenen Sound: Eine Mischung aus elektronischer Musik mit vielen eingespielten Instrumenten. Wir sind sehr optimistisch und werden den ganzen Sommer an den vier Tracks arbeiten. Man wird sehen, was sich da noch entwickelt.


Cover: Dad Rocks! von nuncafe (CC BY-NC 2.0)

Diese Episode wurde veröffentlicht unter der Creative Commons Lizenz Namensnennung 3.0 Deutschland (CC BY 3.0 DE).


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