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Heinz Strunk: „Musikmachen macht mehr Spaß als das ewige Geschreibe.“

Backstage

Ehrlich, hautnah und noch ein bisschen verschwitzt – so mögen wir unsere Interviewpartner am liebsten. Backstage ist die Sendung für diejenigen, die nie genug von exklusiven Infos aus erster Hand und wilden Geschichten rund um Tourleben, Musikproduktion und Künstlerdasein bekommen können. Wir bitten Künstler aller Couleur zum Gespräch in die Backstage-Räume der Hannoverschen Clubs.

[008] Heinz Strunk: „Musikmachen macht mehr Spaß als das ewige Geschreibe.“

Heinz Strunk & Daniel Terek

Heinz Strunk dürfte Vielen entweder als Mitglied von Studio Braun, als Autor von „Fleisch ist mein Gemüse“ oder als Spitzenkandidat für Die Partei in Hamburg bekannt sein. Kürzlich hat er nun ein neues Betätigungsfeld gefunden: als Solo-Musiker mit seiner ersten Veröffentlichung.

„Sie nannten ihn Dreirad“ heißt das Werk, das zwölf Songs beinhaltet, die sich musikalisch am ehesten in die Schublade Elektropop stecken lassen. Doch warum veröffentlicht jemand, der bisher eher als Texter auf sich aufmerksam gemacht hat, überhaupt ein Album?

Ich hab‘ das gemacht weil ich Songs für Fraktus schreiben sollte – und wollte. Da mein Output so außerordentlich hoch war, habe ich dann kurzfristig entschieden, ein Album daraus zu machen. Für meine Tour im Winter habe ich das Konzept umgemodelt, keine Lesung, sondern eine Show zu machen. Und eine Show ohne Musik ist schlecht denkbar.

Fraktus ist eine fiktive Band der „Studio Braun“-Mitglieder, die Anfang der 80er den Techno begründet und dafür im Jahr 2012 mit gleichnamiger Mockumantery gewürdigt wurde.

Vor zwei Jahren war es gar nicht auf dem Schirm, dass ich außerhalb von Fraktus noch mal Popsongs mache, die im weitesten Sinne Popsongs sind. Es ist auch so, dass das Musikmachen mehr Spaß macht als das ewige Geschreibe. Und außerdem kommt es gut und die Hütten sind immer voll, also hat sich das für mich schon gelohnt. Natürlich verkauft man nicht viel, das ist ja eh klar, da brauchen wir nicht drüber zu reden. Es ist ja so: Ich bin sehr fleißig und das ist auch einer der Gründe, weswegen es bei mir so einigermaßen läuft. Weil ich das Publikum halt immer wieder mit neuen Sachen überrasche.

Während die Musik recht eingängig ist, sind die Texte auf „Sie nannten ihn Dreirad“ eher gewöhnungsbedürftig, gerade weil das Konzept einer – sagen wir  Comedy-Platte – hierzulande nicht besonders weit verbreitet ist. Da liegt die Frage nahe, wer eigentlich die Zielgruppe ist – und was diese letztlich damit anfangen soll.

Ja, das weiß ich nicht, das kann ich ja gar nicht beeinflussen. Egal was ich mache, ich hab‘ keine Zielgruppe und weiß jetzt gar nicht, wer das hört. Ich kann’s ja schon abchecken, bei einem Livepublikum. Aber in der Regel kann ich auch schlecht Bedienungsanleitungen für die Songs oder die Texte abgeben. Es selektiert sich ja automatisch. Leute, bei denen es mit der Intelligenz nicht so richtig weit reicht, sagen zu einem Song wie „Dackelblut“ vielleicht: „Das versteh ich nicht, was soll denn das mit Dackelblut, versteh ich nicht…“ – dann kann ich das auch nicht ändern.

Mit „Fleisch ist mein Gemüse“ legte Strunk 2004 eine Art Autobiographie vor, in der er sein Schaffen in der Tanzband Tiffanys verarbeitet. Aus dem Leben gegriffen sind auch einige Texte auf „Sie nannten ihn Dreirad“, zum Beispiel der Song „Opa L’amour“, der von alten Männern handelt, die sich nach jungem Fleisch sehnen.

„Opa L’amour“ ist auch für mich eine immer näher rückende Wirklichkeit. Aber ich hoffe, dieser noch einige Jahre entgehen zu können. Und „Opa L’amour“ ist ein sehr schönes „Was wäre wenn?“-Schreckensszenario. Literarisch ist es ja bei sehr vielen alten Männern – von Martin Walser bis eben auch Philipp Roth – ein sehr redundantes Thema: Auch sehr, sehr alte Männer, die ja schon „Ur-Opa L’amour“ sind, beschweren sich darüber, dass 18-jährige Mädchen keinen Bock mehr haben, ihnen die Eier zu lecken. Und da wird’s dann irgendwann unangenehm und peinlich, wenn man sich da dann seltsam beklagt – aber das ist in diesen Büchern passiert.

Stichwort „peinlich“: Die eigene Außenwirkung ist vielen Künstlern besonders wichtig, egal ob Autor oder Musiker. Als jemand, der seit vielen Jahren in der Öffentlichkeit steht, ist auch Heinz Strunk bei jeder Veröffentlichung Ziel von Kritik – ob positiv oder negativ. Nur juckt das jemanden wie ihn überhaupt?

Ich geb‘ die Sachen immer nur dann raus, wenn ich selber der Meinung bin, dass es ganz gut ist. Außerdem bin ich, glaube ich, selber schon sehr kritisch mit mir. Und dann habe ich noch Leute, die sind noch kritischer. Es war immer schon so, auch als ich noch total erfolglos war, da gab’s so Leute, deren Urteil mir wichtig war – und das sind immer noch die Gleichen. Das sind eben Rocko und Jaques und ein paar Leute aus dem Titanic-Umfeld. Da kann ich mich drauf verlassen, dass die geschmacklich so weit vorne sind, dass die mir das auch sagen würden, wenn’s nicht gut wäre. Aber meistens vermeide ich das, weil ich die Sachen, die problematisch sind, vorher schon für mich behalte.

Für sich behalten hat Heinz Strunk bislang auch sein tatsächliches musikalisches Talent: Anders als bei Künstlern wie Helge Schneider, die auch ernsthafte Musikalben veröffentlicht haben, steht das beim gelernten Querflötisten Strunk noch aus. Ist die musikalische Selbstverwirklichung vielleicht eine Option für die Zukunft?

Also ich kann ganz gut spielen. Meine Instrumente sind ja Flöte und Saxophon. Aber ich hab‘ so viel Respekt vor Leuten, die das noch viel besser können, das wäre fast… naja, keine Frechheit, aber es gibt weder ein inneres Bedürfnis noch sonst einen Grund, weswegen ich ein Saxophon-Album aufnehmen wollte. Das wäre mir viel zu anstrengend und das wollen die Leute auch nicht hören. Bei Helge ist es wieder was anderes. Der macht eh, was er will, und außerdem ist er der bessere Musiker.

„Sie nannten ihn Dreirad“ von Heinz Strunk ist Ende Januar bei Audiolith erschienen, außerdem noch recht frisch: „Das Strunk-Prinzip“, eine Sammlung von Texten, die es so oder in ähnlicher Form schon in der Satirezeitschrift „Titanic“ gab.


Redaktion: Daniel Terek / Produktion: Matthias Holz

Cover: Dad Rocks! von nuncafe (CC BY-NC 2.0)

Diese Episode wurde veröffentlicht unter der Creative Commons Lizenz Namensnennung 3.0 Deutschland (CC BY 3.0 DE).


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