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FOXOS: „Wir wissen ziemlich genau, wo wir hinwollen“

Backstage

Ehrlich, hautnah und noch ein bisschen verschwitzt – so mögen wir unsere Interviewpartner am liebsten. Backstage ist die Sendung für diejenigen, die nie genug von exklusiven Infos aus erster Hand und wilden Geschichten rund um Tourleben, Musikproduktion und Künstlerdasein bekommen können. Wir bitten Künstler aller Couleur zum Gespräch in die Backstage-Räume der Hannoverschen Clubs.

[030] FOXOS: „Wir wissen ziemlich genau, wo wir hinwollen“

Foxos, das sind Rick Jurthe und Jonas Fritsch aus Hamburg, die beide in Hannover Popmusik studiert haben. Nach einer ersten EP von 2014, erscheint jetzt ihr zweites Werk „Polar“. Zwischen diesen beiden Platten hat sich für die Jungs einiges getan, allem voran ein Plattendeal mit Roof Music, die unter anderem Künstler wie Götz Alsmann und Helge Schneider vertreten.


Wie kam es zu eurem Deal mit Roof Music?

Rick: Das steht tatsächlich schon etwas länger im Raum. Roof Music hat uns vor einem Jahr auf einem Konzert gesehen und fand uns da schon interessant. Wir haben dann mit ihnen Gespräche geführt, hatten aber das Gefühl, dass wir selber noch ein bisschen Zeit brauchen, um zu schauen, in welche Richtung es insgesamt mit Foxos gehen soll. Im Sommer dieses Jahres haben wir dann beschlossen, mit dem Team zusammenzuarbeiten. Wir sind nach Bochum gefahren und haben gemerkt, dass das Leute sind, die verstehen, was wir wollen. Bei ihnen müssen wir nicht irgendwelche Erwartungen erfüllen.

Hat sich der Deal zufällig ergeben oder war es ein geplanter Schritt von euch?

Jonas: Eigentlich war es eine Mischung aus beidem. Es hat sich zufällig ergeben, dass wir das Team kennengelernt haben. So mussten wir also nicht selbst auf die Suche gehen. Gleichzeitig haben wir uns bewusst zu dem Zeitpunkt, an dem Foxos größer wurde, Leute ins Boot geholt, die uns unterstützen.

Was verbindet euch mit euren Label-Kollegen Götz Alsmann und Helge Schneider?

Rick: Das haben wir uns auch gefragt, da diese Künstler ja aus einer ganz anderen Richtung kommen. Aber auf den zweiten Blick haben wir gemerkt, dass es gar nicht so sehr darum geht, in welcher Sparte diese Künstler tätig sind, sondern darum, dass sie etwas machen, das gut ist und das man ihnen abkauft.

Seid ihr in eurer Karriereplanung sehr ehrgeizig?

Jonas: Och, doch ja. (Rick lacht) Wir wissen eigentlich schon ziemlich genau, wo wir so hinmöchten und gehen das beherzt an.

Äußert sich der Ehrgeiz auch im Studio?

Jonas: Ja, man merkt das daran, dass wir sehr viel arbeiten. Der Ehrgeiz schlägt manchmal in ein sehr detailverliebtes Arbeiten um. Aber das macht uns dann natürlich auch aus.

Was ist für euch musikalischer Erfolg?

Rick: Musikalischer Erfolg ist, das umsetzen zu können, was man sich selber vorstellt. Es sind Momente, sei es beim Schreiben oder bei der Produktion eines Songs, in denen man merkt, dass das genau das ist, was ich ausdrücken möchte und es berührt mich. Und vielleicht berührt es dann auch andere. Ich weiß nicht, wie es bei dir ist, Jonas?

Jonas: Das ist auf jeden Fall eine Komponente, und die andere Komponente ist, dass man mit seiner Musik Leute erreicht. Man bekommt von diesen Leuten Feedback und es entsteht eine Art Austausch.

Rick von FOXOS Jonas von FOXOS

Am 18. Dezember erscheint eure neue EP „Polar“. Was hat sich denn bandgeschichtlich und musikalisch seit der letzten EP „Fables“ verändert?

Rick: Bandgeschichtlich hat sich tatsächlich etwas verändert. Das Ganze hat mal als Soloprojekt mit Begleitband begonnen. Es gab dann verschiedene Zwischenstadien bis feststand, dass wir eigentlich ein Duo sind.

Jonas: Der Sound hat sich insofern weiterentwickelt, als dass wir uns viel damit beschäftigt haben, wo die Schnittmenge der Musik ist, die wir hören und mögen. Welche Ideen und Visionen haben wir? In der Zeit seit der letzten EP konnte unser Sound viel mehr reifen. Auch dadurch, dass wir viele Sachen ausprobiert und viel experimentiert haben. Dadurch ist unsere Musik jetzt einen Schritt weiter als bei „Fables“.

Was fühlt sich im Vergleich zu „Fables“ für euch anders an?

Rick: Zum einen haben wir um die Veröffentlichung herum ein größeres Team. Ansonsten habe ich das Gefühl, wir haben viel mehr unseren Sound gefunden. Er beinhaltet mehr Elemente des Mainstream-Pop, fühlt sich aber gleichzeitig wie unser musikalisches Zuhause an. Wir halten auf „Polar“ unsere Zusammenarbeit der letzten eineinhalb Jahre fest.

Inwiefern spiegelt sich der Begriff ‚polar‘ in eurer EP wider? Spielt sie mit Gegensätzen?

Rick: Genau, wir sind zwei unterschiedliche Persönlichkeiten und deshalb spiegelt sich auf der EP erst einmal die Gegensätzlichkeit zwischen uns wider. In der Musik ist der Gegensatz, den wir versuchen darzustellen, derjenige zwischen organischen Sounds, also schönen warmen E-Gitarren und akustischen Drums, zu elektronischen Sachen, die vom Synthie oder PC kommen. Diese Elemente bilden einen Gegensatz, gehören aber gleichzeitig zusammen. Das ist die Geschichte, die „Polar“ erzählt.

Ihr seid zusätzlich bald mit dem Feuerwerk der Turnkunst auf Tour, wie ist das zustande gekommen?

Jonas: Wir haben auf dem Fuchsbau Festival 2014 gespielt und sollten dort Teil einer Inszenierung mit Videoprojektion, Schauspielern und Artisten sein. Die Artisten und die Choreographin, die damals beteiligt waren, sind auch beim Feuerwerk der Turnkunst. Sie haben gemerkt, dass unsere Musik super zu dem passt, was sie machen. Dann kamen die Artisten auf uns zu und haben gefragt, ob wir nicht Bock haben, mit denen auf Tour zu fahren.

Habt ihr dafür Songs genommen, die ihr schon geschrieben hattet, oder habt ihr extra für die Show komponiert?

Rick: Wir haben nur Songs benutzt, die wir schon im Repertoire hatten. Die Absicht der Turnkünstler war aber auch, dass wir genau unseren Sound mit in die Show bringen. Wir haben natürlich dann im Nachhinein mit den Artisten geguckt, ob die Stücke zeitlich zu ihren Nummern passen. Wenn nicht, haben wir hier und da nochmal etwas angepasst. Jetzt gehen wir am 22. und 23.12. zum ersten Mal in die Halle und proben. Mal gucken, wie das wird.

Habt ihr das Projekt gemacht, weil ihr Spaß daran hattet, oder hattet ihr auch im Hinterkopf, dass ihr durch die Tour bekannter werdet?

Jonas: Das hat da natürlich mit reingespielt. Uns war bewusst, dass in diesem Monat circa 200.000 Leute diese Show und damit auch uns sehen und unsere Musik hören. Das ist natürlich eine große Möglichkeit, die so schnell nicht wiederkommt.

Rick: Und vor allem ist es eine Erfahrung, die wir nicht mehr vergessen werden. In einer ausverkauften Olympiahalle in München vor 15 000 Leuten zu spielen, ist für uns der absolute Traum. Selbst wenn das die größte Halle ist, die wir in unserem Musikerleben jemals bespielen werden, haben wir es so einfach schon gemacht. Das sind Bilder und Emotionen, die man mitnimmt und nicht mehr vergisst.

Danach kommt aber auch noch eine eigene Tour von Foxos, oder?

Rick: Genau, wir gehen von Ende März bis Ende April auch nochmal in Deutschland als Solo-Act auf Tour.

Ihr arbeitet ja offensichtlich als Duo sehr gerne zusammen. Wie ist denn eure Rollenverteilung?

Jonas: Wir machen alles, was unsere Musik betrifft, zusammen und jeder ist ein bisschen an allem beteiligt. Es gibt natürlich Schwerpunkte, aber letztendlich tauschen wir uns immer aus. Unsere Musik entsteht dadurch, dass unsere Fähigkeiten zusammenkommen.

Was dem Hörer von euch stark in Erinnerung bleibt, ist Ricks Stimme, die sehr markant ist. Was ist denn eurer Meinung nach euer Wiedererkennungsmerkmal?

Jonas: Die Stimme auf jeden Fall.

Setzt ihr das bewusst ein?

Rick: Schon. Einfach, weil wir wissen, wenn die Stimme nicht gut aufgenommen ist, wird der Rest schnell relativ hinfällig. Natürlich macht es etwas aus, wenn man eine Stimme nicht so schnell vergisst, das kann man Wiedererkennungswert nennen, wenn man möchte. Aber die Musik wird genauso durch die Produktion getragen. Es ist natürlich schön, wenn Jonas sich ans Klavier setzt und ich dazu singe, aber das hat sich bestimmt schnell ausgelutscht. Die Produktion, die dabei entsteht, wenn wir die Songs ausarbeiten, ist, was meine Stimme trägt. Und das funktioniert nur im Zusammenspiel. Wenn die Produktion nicht stark genug ist, dann bringt meine Stimme auch nichts.

Man munkelt ja, dass ihr nächstes Jahr ein erstes Album veröffentlicht, könnt ihr einen kleinen Ausblick auf das nächste Jahr geben?

Jonas: Nach der eigenen Tournee geht’s für uns auch schon wieder ins Studio. Natürlich kommt dann der Sommer noch mit hoffentlich vielen Festivals, auf denen wir spielen werden. Aber dann geht’s daran, neue Songs zu machen oder sich um Songs, die warten, zu kümmern. Unser erstes Album erscheint dann im Herbst 2016.


Cover: Dad Rocks! von nuncafe (CC BY-NC 2.0)

Playlist zur Sendung

Die Playlist enthält nur die gespielten Songs, die auch bei Spotify verfügbar sind.

Diese Episode wurde veröffentlicht unter der Creative Commons Lizenz Namensnennung 3.0 Deutschland (CC BY 3.0 DE).


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