Ernst.FM

Startseite > Sendungen A-Z > Backstage > DISSY: “Ich würde mich schon zur Gegenbewegung zählen”
DISSY: “Ich würde mich schon zur Gegenbewegung zählen”

Backstage

Ehrlich, hautnah und noch ein bisschen verschwitzt – so mögen wir unsere Interviewpartner am liebsten. Backstage ist die Sendung für diejenigen, die nie genug von exklusiven Infos aus erster Hand und wilden Geschichten rund um Tourleben, Musikproduktion und Künstlerdasein bekommen können. Wir bitten Künstler aller Couleur zum Gespräch in die Backstage-Räume der Hannoverschen Clubs.

[077] DISSY: “Ich würde mich schon zur Gegenbewegung zählen”

Am 30. Oktober war eigentlich nur ein grauer Nieselregentag in Hannover. Trotzdem haben wir uns gefreut, denn wir waren mit DISSY zum Online-Interview verabredet. Wie das Wetter in Berlin ist haben wir zwar nicht gefragt, aber um regnerische Tage und das Warten auf kältere Jahreszeiten geht es trotzdem später noch öfter.  Außerdem geht’s um’s Songs schreiben in Rostock, Videos drehen in Vietnam und ein bisschen anti sein im Allgemeinen.  


Anlass für unser Gespräch ist das aktuelle Projekt von DISSY: das zweigeteilte “bugtape, von dem sich nun die “side b” durch die ersten Singles ankündigt. Eigentlich sei das “bugtape” ein totales Berlin-Projekt, aber gerade für die B-Seite seien auch viele Texte in Rostock entstanden. 

Geschrieben hab’ ich irgendwie komischerweise in Rostock, im verregneten Rostock.

Genau wie das Wetter beim Schreiben soll auch das Wetter zur Veröffentlichung am besten irgendwie grau und wahrscheinlich auch ein bisschen düster sein, die Songs im Frühling rauszubringen hätte laut DISSY einfach nicht gepasst. Der Philosophie entsprechend ist die erste Single “september” auch tatsächlich im September erschienen. Gefolgt von drei Singles mit den kryptischen Titeln “angst,” und “lauf!” und obwohl es erstmal nicht sehr vielsagend klingt, kriegt man doch am Ende genau das: düstere Sounds durchzogen von Selbstzweifel, Fremdzweifel und der Flucht vor sich selbst und vor allem anderen. 

Die A-Seite war wirklich so in einem Ritt durchgearbeitet und die B-Seite, das sind Songs, die schon wirklich lange stehen. Wo ich auch geduldig sein musste, dass die so lange geschlummert haben und ich die noch nicht raushauen konnte.

Aber der professionelle Sadboy ist nicht nur wegen seinen ausgefeilten Texten in der Szene so beliebt, Musikvideos und Kurzfilme gehören auch zum künstlerischen Gesamtpaket. Ein Paket, das irgendwie gespenstisch in Nebel auf der eigenen Türschwelle auftaucht, aber beim Öffnen schon komplett Sinn ergibt und einen mit in die hektischen und düsteren Klangwelten nimmt. “click” und “cotazur” von der A-Seite gehören besonders wegen dem DIY-Feel zu DISSYs Lieblingen. 

Also es geht halt ganz krass darum was ich damit verbinde, so wie das Gefühl war, wie der Vibe war. Und da war ‘click’ für mich was ganz Besonderes, ein total geiler Vibe. Weil wir da einfach, in kürzester Zeit einfach in Vietnam die Idee hatten und da einfach so den Dreh gerockt haben, mit Leuten, die wir dort kennengelernt haben.

Viel selber machen, viel mit Freunden zusammenarbeiten und Manches ein bisschen schrabbelig und mit Ecken und Kanten – muss nicht zwingend Underground oder Off-Mainstream heißen, passt aber in DISSYs Fall gut zusammen. Jedenfalls gehören Gym, Money und andere Modus Mio-Themen nicht zum Repertoire. Laut DISSY habe die Selbstoptimierer-Mucke aber auch langsam den Peak erreicht. 

Es gibt ja nie eine große Bewegung ohne Gegenbewegung. Und ich würde mich schon zur Gegenbewegung zählen, auf jeden Fall.

Wer jetzt ein Stück Gegenbewegung hören möchte kann streamen (natürlich auch bei Ernst.FM) oder direkt das “bugtape” (am besten a und b) bestellen – passendes Wetter gibt’s jetzt für’s Erste auf jeden Fall. 

Mit Unterstützung des Teams Backstage/ Lauschig


Kommentare (0)