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Antilopen Gang: „Wir sind Meister in der Disziplin des Scheiterns.“

Backstage

Ehrlich, hautnah und noch ein bisschen verschwitzt – so mögen wir unsere Interviewpartner am liebsten. Backstage ist die Sendung für diejenigen, die nie genug von exklusiven Infos aus erster Hand und wilden Geschichten rund um Tourleben, Musikproduktion und Künstlerdasein bekommen können. Wir bitten Künstler aller Couleur zum Gespräch in die Backstage-Räume der Hannoverschen Clubs.

[015] Antilopen Gang: „Wir sind Meister in der Disziplin des Scheiterns.“

v.l.n.r.: Arne Janßen (Ernst.FM), Panik Panzer, Danger Dan, Felix Sievers (Ernst.FM), Koljah

Danger Dan, Panik Panzer und Koljah machen bereits seit einigen Jahren gemeinsam Musik. Mit ihrer Punk-Attitüde stehen die drei Rapper der Antilopen Gang für politische Texte, derbe Kritikschellen und einen ausgeprägten Sinn für Humor – den haben sie auch in unserem Interview wieder unter Beweis gestellt. Wir haben die drei „revolutionsromantischen Rüpel-Rapper“ vor ihrem Konzert in Hannover getroffen und mit ihnen übers Studieren, Politik und allerlei Blödsinn gesprochen.


Fick die UniZum Einstieg ins Interview haben wir den Jungs ein Bild von einem Graffiti in der Nähe der Leibniz Universität gezeigt. An eine Wand wurde der Titel ihres bisher größten Hits „Fick die Uni“ gesprayt. Da lag die Frage nahe, wie eigentlich ihr Bezug zum Studium ist.

Danger Dan: Der Koljah hat den Masterabschluss in Soziologie gemacht und nur ein Semester länger gebraucht als die Regelstudienzeit. Er war ein sehr guter Student. Panik Panzer hingegen ist kein guter Student. Er ist mittlerweile im zweistelligen Bereich, was seine Semester betrifft, und hat noch nicht einmal die Zwischenprüfung geschafft, stimmt das?

Panik Panzer: Ich weiß nicht, was eine Zwischenprüfung ist. So was gibt es bei uns nicht. Ich kann auf jeden Fall sagen, dass ich etwa 80 Prozent meines Studiums bereits abgeschlossen habe, nun aber keine Zeit für die fehlenden 20 Prozent habe. Ich bin zwar noch Student, aber ich weiß nicht, wie meine Uni mittlerweile aussieht. Die hat sich in den letzten Jahren bestimmt verändert, seit ich nicht mehr da war.

Panik Panzer, ich habe in einem Interview gelesen, dass du aktuell noch nach Leuten suchst, die deine Hausarbeiten schreiben?

Panik Panzer: Richtig, ich habe mittlerweile auch jemanden gefunden – glücklicherweise. Mein lieber Freund Moritz*, der mich momentan quasi täglich anschreibt und mir wirklich ordentlich auf den Sack geht. Der will die unbedingt schreiben. Ich glaube, weil er Geldnöte hat oder so. Ich muss aber erst einmal die Themen herausfinden.

Findest du es wirklich okay, Ghostwriter zu engagieren?

Panik Panzer: Ich bin’s gewohnt. Ich habe ja auch innerhalb der Antilopen Gang Ghostwriter. Ich bin nämlich der Rapper von uns dreien, der sich beim Schreiben am schwersten tut.

Koljah: Der auch am schwersten ist…

Panik Panzer: Ich bin am schreibfaulsten. Tatsächlich habe ich kein Problem damit, wenn ich mal nicht weiterkomme auch mal die Jungs zu fragen: „Ey, habt ihr ‘ne Idee, wie ich weiterschreiben kann?“ Es ist also eine gewohnte Situation für mich. Bei Hausarbeiten wäre es das erste Mal, dass die komplett jemand anderes schreiben würde. Das finde ich durchaus angebracht.

Koljah: Also ich rate dazu, die nicht von Moritz machen zu lassen. Der hat mir auch mal eine Hausarbeit geschrieben und das war dann auf jeden Fall schlechter als 3,0. Danach schrieb mich der Dozent an und meinte, das wäre eine schlechte Arbeit. Er hat mir dann sogar die Chance gegeben, die noch einmal neu zu schreiben, weil das meinen Schnitt runtergezogen hätte. Ich habe trotzdem drauf verzichtet. Das würde dir dann auch passieren.

Danger Dan: Ich habe für Moritz die Struktur seiner Bachelorarbeit in Stadtsoziologie geschrieben – no joke! Ich habe ihm alles gegliedert. Er hat natürlich mitgemacht, aber ohne meine Hilfe hätte er nicht einmal die Struktur geschafft. Von daher suchen wir einen kompetenteren Ghostwriter: Falls sich jemand mit den Themen auskennt, die Panik Panzer in der Uni bearbeitet – das wäre unter anderem so was wie Mein Kampf von Adolf Hitler.

Panik Panzer: Also, wenn ich hier jetzt schon die Gelegenheit habe, meinen Aufruf noch einmal aufzufrischen: Es geht um eine Hausarbeit für das Seminar „Der Körper in der Kunst“. Die Themenwahl ist frei. Ich wollte über feministische Performance Art schreiben, weil ich über Annie Sprinkle gestolpert bin. Sie ist eine ehemalige Prostituierte, die später „Live Performance“ gemacht hat. Sie hat Leute unter anderem mit einem Gerät in ihre Vagina gucken lassen und auch viel Pinkel- und Urinkunst gemacht. Meine Professorin wollte dann aber nicht, dass ich nur über die Frau schreibe, also sollte ich über feministische Performance Art schreiben. Das wäre eine Möglichkeit. Wenn sich jemand damit auskennt und darüber schreiben möchte, immer melden bei hausarbeit@antilopengang.de.

Antilopen Gang im Interview

v.l.n.r.: Felix Sievers (Ernst.FM), Danger Dan, Koljah, Panik Panzer

Danger Dan, du hast dich in demselben Interview öffentlich für eine Hochschulzugangsberechtigung beworben. Angenommen du könntest nicht nur studieren, sondern sogar unterrichten. Wie würde eine Vorlesung aussehen, die du leitest?

Danger Dan: Ich habe schon unterrichtet! Tatsächlich habe ich eine externe Hauptschulklasse mal in Musik unterrichtet. Da habe ich als erstes ein Mikrofon an eine große PA angeschlossen, mich auf die Box gesetzt und anstatt die Leute um Ruhe zu bitten, habe ich das Mikrofon an die Box gehalten – damit es eine laute Rückkopplung gibt, die allen in den Ohren wehtut. So habe ich die Aufmerksamkeit des Klientels auf mich lenken können. Ähnlich würde ich das auch in einer Universität machen. Also auf jeden Fall mit der Dampfhammer-Methode: sehr viele Witze einbauen, sehr oft Skurriles tun, damit die Aufmerksamkeit einfach da bleibt. Aber inhaltlich würde wahrscheinlich nicht besonders viel rum kommen. Trotzdem wäre es sehr unterhaltsam und die Leute würden mich lieben!

Koljah: „Ich glaube, der Professor an sich ist der Fehler. Deswegen kann er keine Fehler machen.“

Apropos Liebe, ich habe noch einmal eine Frage an Koljah und Panik Panzer: Wart ihr mit euren Professoren im Studium zufrieden?

Koljah: Nö, aber ich habe auch keinen Anspruch an Professoren. Ich wüsste auch nicht, was die machen könnten, damit ich zufrieden wäre. Ich habe das Ding einfach schnell durchgezogen und war froh, als ich da wieder raus war. Die Professoren waren mir eigentlich relativ egal. Manche waren ganz sympathisch, aber ich glaube, der Professor an sich ist der Fehler. Deswegen kann er keine Fehler machen.

Panik Panzer: Ich glaube, bei mir sind die Professoren keine klassischen Professoren gewesen, wie man sich die vorstellt. Ich studiere an einer Fachhochschule Kommunikationsdesign und das sind größtenteils einfach ziemlich gescheiterte Existenzen, die es irgendwie in diesen FH-Kosmos geschafft haben und da lehren können. Ich finde das eigentlich ganz geil. Teilweise sind das richtige Idioten irgendwie – aber coole Idioten. Dementsprechend bin ich mit den meisten gut klargekommen. Das waren so richtige Freaks – Käuze, viele Käuze. Die finde ich aber gut!

Was haltet ihr von der Aussage, dass eure Songtexte auch als Vorlesungsmaterial taugen könnten?

Panik Panzer: Das geschieht ja in der Tat leider schon. Also als Vorlesungsmaterial weiß ich’s nicht, aber in der Schule arbeiten leider Gottes tatsächlich Lehrer mit unseren Texten. Dann melden sich immer begeisterte Schüler und sagen „Mein Lehrer ist so cool! Er hat einen Text von euch im Deutschunterricht verwendet.“ Insofern scheint es zumindest zu funktionieren.

Danger Dan: Ich weiß tatsächlich auch von einer Vorlesungsveranstaltung in Wien, die als Einführung in Kritische Theorie, das Lied „So ungefähr“ von der Antilopen Gang benutzt und gehört haben. Außerdem sind wir immer wieder Gegenstand von Hausarbeiten, die Studierende schreiben. Es gibt sogar eine Bachelorarbeit, die nur von mir handelt. Ich habe sie sogar überflogen. Die war einigermaßen okay. Wurde auch eine Eins am Ende.

Danger Dan: „Deutschland ist ein gescheitertes Projekt. Es war von Anfang an scheiße und ich bin sehr froh, dass dieses Projekt gescheitert ist. Sollte Deutschland jetzt zuhören: Bitte schaff dich einfach ab!“

In euren Songs werden viele politische und gesellschaftliche Themen angesprochen. In Songs wie beispielsweise „Beate Zschäpe hört U2“ kritisiert ihr den Antisemitismus. Inwiefern muss sich die deutsche Politik verändern?

Danger Dan: Also, wenn ich eine Veränderung der deutschen Politik vorschlagen könnte, dann würde ich als erstes gerne die deutsche Politik abschaffen. Ich plädiere stark für die Auflösung der Bundesrepublik Deutschland. Ich möchte gerne, dass dieses Land einfach nicht mehr existiert und würde dafür plädieren, daraus beispielsweise Frankreich zu machen. Oder kleine Zonen, so wie es die APPD schon einmal vorgeschlagen hat: also für Leute, die arbeiten wollen und für Leute, die nicht arbeiten wollen. An sich ist deutsche Politik als Wort schon ein Unding. Deutschland ist ein gescheitertes Projekt. Es war von Anfang an scheiße und ich bin sehr froh, dass dieses Projekt gescheitert ist. Sollte Deutschland jetzt zuhören: Bitte schaff’ dich einfach ab!

Koljah, in demselben Song kritisierst du Ken Jebsen. Das ist ein recht umstrittender Moderator und Verschwörungstheoretiker. Er wollte euch deswegen abmahnen – was aber letztlich nicht geklappt hat. Habt ihr das als Anerkennung angesehen?

Koljah: Also man macht auf jeden Fall irgendetwas richtig, wenn jemand wie Ken Jebsen einen abmahnen will. Generell haben uns die Reaktionen auf das Lied eher bestärkt, dass wir mit dem Recht hatten, was wir da gesagt haben. Aber er hätte es auch bleiben lassen können. Wenn er damit durchgekommen wäre, dann wäre das für uns nicht so rosig gewesen. Von daher, waren wir auch froh, als es dann doch nichts wurde und das Thema durch war.

Was nervt euch denn momentan besonders? Ich habe gelesen, die Flüchtlingspolitik ist ein Thema, dass euch aktuell beschäftigt.

Danger Dan: Ich glaube, das ist ein Thema, um das man momentan gar nicht herumkommt. Bei mir direkt in der Nachbarschaft gab es eine selbstverwaltete Schule, in der Geflüchtete gewohnt haben, die dann geräumt wurde oder die räumungsbedroht war. Dort bin ich mal hingegangen und habe mich an Protesten beteiligt. Das hat mich alles sehr bewegt. Aber es gibt noch viel mehr Dinge, die mich aufregen. Zum Beispiel Termine, Panik Panzers Wutanfälle oder Koljahs destruktive Art insgesamt. Ich rege mich am meisten über die anderen aus der Antilopen Gang auf. Manchmal auch über mich selber. Eben habe ich ganz fiese Ausdünstungen an mir bemerkt, die auch mit dem Schnaps zu tun haben könnten. Das ärgert mich.

Koljah: Was mich gerade auch sehr nervt, ist diese Entsolidarisierungswelle mit diesem Streik von der GDL. Alle Leute schimpfen und keiner kommt auf die Idee, dass so ein Streik vielleicht auch was Unterstützenswertes sein könnte. Der deutsche Arbeiter, der möchte pünktlich zur Arbeit kommen und mag’s nicht, wenn gestreikt wird. Das geht mir auf den Geist!

Danger Dan: „Wir machen einfach Rap-Musik und die soll möglichst cool und swaggy sein – weil wir swaggy Dudes sind! Es geht uns auch insbesondere darum, uns selbst als swaggy Dudes zu inszenieren. Damit uns nicht ständig auffällt, dass wir selber Meister in der Disziplin des Scheiterns sind.“

Danger Dan, du hast in einem Essay für 1LIVE die Frage aufgeworfen, woher der sozialpädagogische Anspruch kommt, der oft an Hip-Hop gestellt wird. Habt ihr einen sozialpädagogischen Anspruch an eure Musik?

Danger Dan: Ja, es ist uns sehr wichtig, dass alle Menschen cool sind. Ne, Quatsch. Wir haben überhaupt keinen sozialpädagogischen Auftrag. Wir haben auch keinen Bildungsauftrag und ich fände es auch überheblich, wenn wir uns anmaßen würden, die Welt erziehen zu wollen. Wir machen einfach Rapmusik und die soll möglichst cool und swaggy sein – weil wir swaggy Dudes sind. Es geht uns auch insbesondere darum, uns selbst als swaggy Dudes zu inszenieren. Damit uns nicht ständig auffällt, dass wir selber Meister in der Disziplin des Scheiterns sind.

Panik Panzer: Leider scheitern wir darin, swaggy Dudes zu sein. Denn, wie alle Welt weiß, Antilopen Gang sind unswaggy Dudes. (lacht)

Antilopen Gang live in der Faust Hannover

Jetzt haben wir recht viel über Politik und Gesellschaft geredet. Das tut ihr, wie bereits angeklungen, auch häufig in euren Songtexten. Warum wollt ihr trotzdem nicht als Polit-Band eingeordnet werden?

Panik Panzer: Weil man dann unswaggy ist. Deswegen wollen wir nicht als Polit-Band eingeordnet werden. Polit-Bands sind in ihrer Tradition unswaggy. Wir sind nicht angetreten, um das zu ändern. Das würde nicht funktionieren. Das wäre so, als wenn man aus einem Apfel eine Kirsche machen möchte. Das ist in der Vorstellung vielleicht möglich: Man würde den Apfel einfach schrumpfen und rot einfärben, aber es bleibt eine Kirsche mit einem Kern. Wir haben uns nicht vorgenommen, etwas zu machen, was nicht möglich ist. Deswegen sagen wir, dass wir keine Polit-Band sind. Und das ist der Pfad zum Swaggy-Dude-Sein, den wir gerade beschreiten. Es ist ein steiniger und unwegsamer Pfad, aber wir gehen ihn aufrecht und stabil entlang. Loyal zu uns selbst und unseren Fans immer treu ergeben. (alle lachen und Danger Dan spuckt sein Wasser aus)

Ihr habt eine Abneigung gegen Schubladen wie Polit- oder Deutsch-Rap. Danger Dan hat aber doch ‘ne passende gefunden und sagte, eure Musik sei „revolutionsromantischer Rüpel-Rap“. Was ist damit gemeint?

Koljah: Von Rüpel-Rap hört man ja oft in den Medien. Das ist ein Wort, was wahrscheinlich die Bild-Zeitung erfunden hat. Immer wenn Bushido, Sido oder so in den Schlagzeilen sind, dann heißt es, „der Rüpel-Rapper hat dies und das getan.“ Wir sind auch Rüpel-Rapper. Aber bei uns ist die Revolutionsromatik ein sehr essenzieller Bestandteil. Wir sind nicht revolutionär, sondern revolutionsromantisch. Das muss man bei uns vielleicht auch unterscheiden, weil das bei uns mit so einer klischeebeladenen Sehnsucht zu tun hat. Wir spielen zum Beispiel auch am Ende von Konzerten als Rausschmeißmusik immer von Ton Steine Scherben den Song „Wir müssen hier raus“. Weiter geht diese Kategorie noch mit „revolutionsromantischer Rüpel-Rap, der lieber Punk wäre“, weil wir uns ja dafür entschieden haben, bei diesem Album bei der Subkultur des Punk-Rock anzubiedern und dort möglichst viele Fans abzugreifen. Möglicherweise kommt auf dem nächsten Album dann „revolutionsromantischer Rüpel-Rap, der lieber Jazz wäre“ und dann kommen auf einmal ein paar Jazzer auf unsere Konzerte.

Was mir bei euren Songs ansonsten noch besonders aufgefallen hat, ist die Kritik an der Anpassung vieler Menschen. Der Song „Ikearegal“ handelt beispielsweise davon. Koljah, du sagst in dem Song auch: „Auf so V.I.P.-Parties möchte ich mit Gläsern schmeißen / Oder mindestens in euer veganes Büffet reinscheißen.“ Ist das einfach nur als Kritik an Anpassung zu verstehen oder sogar an Veganismus?

Koljah: (lacht) Naja, also militanter Veganismus, der dann auch mit so einem Missionierungsdrang einhergeht und allen davon erzählen muss, dass sie auch vegan sein müssen oder sollen – der nervt mich schon. Aber wenn Leute sich irgendwie ernähren, ist mir das auch egal – das ist ja klar. Es ist wie bei allem: Sobald es missionarisch wird, ist es auf jeden Fall irgendwie blöd. Ich weiß auch nicht, warum Leute da so einen Lifestyle draus machen müssen. Ich glaube, da ist ein anderer Denkfehler in der Zeile: Ich habe noch nie auf einer V.I.P.-Party ein veganes Büffet gesehen. Ich weiß nicht, was das für eine V.I.P.-Party sein soll. Warum ich das gerappt habe, ist mir schleierhaft. Ich würde das auch nicht tun, also mit Gläsern rumschmeißen. Ich sage ja auch nur, ich würde das gerne tun, aber ich mach’s auf keinen Fall. Eigentlich würde ich die Gläser eher austrinken – also den Inhalt der Gläser.

„Aversion“ von der Antilopen Gang

Das Cover von eurem Album „Aversion“ wurde schon häufiger analysiert. Abgesehen von den versteckten Botschaften – wenn die Welt wirklich so vermeintlich idyllisch wäre, wie es auf dem Cover scheint, wie würde sich die Antilopen Gang denn in einer schönen Welt anhören?

Panik Panzer: Ich habe aus Versehen gerade nur die Hälfte der Frage mitbekommen, weil ich in Gedanken bei einem alten Song von mir war. Da habe ich gerappt: „Wo wir wann aufkreuzen ist euch sowieso so stetig schon schleierhaft wie bei der Roten Armee Fraktion.“ Diese Zeile war gerade so stark in meinem Kopf, dass ich dir nicht zuhören konnte. Deswegen möchte ich das Mikro an Danger Dan überreichen, der vielleicht zu antworten weiß.

Danger Dan: Auch sehr idyllisch und heil.

Koljah: Hast du gerade „Heil“ gesagt?

Danger Dan: Ja. (alle lachen)

Panik Panzer: Wir haben ja keine zwanghafte Aversion oder müssen zwanghaft dagegen sein. Wenn die Welt so eine Idylle wäre, wie wir sie dargestellt haben, dann würde sich die Aversion ja auch erübrigen und wir könnten uns wahrscheinlich ganz gut einfügen in diese idyllische Welt. Vielleicht könnten wir, ähnlich wie diese Familie, die dort abgebildet ist, uns an den Händen halten und über eine Wiese schlendern und einfach genießen, dass die Welt frei von Unrecht und Barbarei ist.

Koljah: Am Ende bleibt ja auch immer noch als gutes Thema übrig, dass man ein swaggy Dude ist und cool rappt und coole Dinge besitzt: coole Schuhe, nicen Schmuck und so. Möglicherweise würden wir auch gar nicht mehr rappen, wenn die Welt so heil und idyllisch wäre. Dann würde ich vielleicht lieber in der Hängematte liegen, ohne zu rappen.

Panik Panzer: „Wir sind durchaus in der Lage, richtig behindert zu sein – also eine richtige Spasten-Bande. Wir kommen da auch nicht raus. Das ist das Problem. Also, weißt du, da führt man so ein Interview und macht seine semi-ulkigen Jokes und bepisst sich selber vor Lachen. Aber eigentlich ist es gar nicht lustig.“

Ihr kritisiert ja ziemlich leidenschaftlich in euren Texten. Wie geht ihr denn damit um, wenn andere Leute euch so richtig scheiße finden?

Danger Dan: Es kommt immer drauf an, wer das ist. Also wenn so ein Ken Jebsen einem eine Abmahnung schickt, bestätigt einen das auch ein Stückweit. Es gibt auch manchmal Leute, da finde ich’s eher schade, dass die mich jetzt dumm finden. Ich kann das aber auch manchmal nachvollziehen. Es ist nicht so, dass ich grundlegend einer Kritik mir gegenüber abgeneigt bin. Ich kann das sehr gut verstehen. Ich hasse mich ja auch selbst. (alle lachen)

Panik Panzer: Ich muss auch sagen, dass ich die Leute teilweise verstehen kann, wenn die uns total scheiße finden. Ich frage mich immer, wie ich mich selbst fände, wenn ich mich von außen betrachten würde. Wir sind durchaus in der Lage, richtig behindert zu sein – also eine richtige Spasten-Bande. Wir kommen da auch nicht raus. Das ist das Problem. Also, weißt du, da führt man so ein Interview und macht seine semi-ulkigen Jokes und bepisst sich selber vor Lachen. Aber eigentlich ist es gar nicht lustig. Zwischendurch dann wieder dieser biedere Polit-Talk, das ist halt eine ganz skurrile Mischung. Da wüsste ich auch nicht, ob ich das wirklich feiere – aber ich hoffe es zumindest.

Das hoffe ich auch. Wenn ihr irgendwann mal out seid, was macht ihr dann?

Danger Dan: Ich bin ein großer Freund der Waffel, also des Gebäcks. Ich würde gerne einen Waffelladen aufmachen. Ich stelle mir das beispielsweise am Kanal in Neukölln am Maybachufer vor: dort ein kleines Stück vom Ufer zu pachten, einen Pavillon aufzubauen und dann Waffeln zu verkaufen. In verschiedenen Variationen: Mit Schoko, Früchten und Kaffee. Dazu dann Boxen rausstellen, um das alles zu beschallen und dann Roots-Reggae laufen lassen – Bob Marley, Peter Tosh, Gladiators, Steel Pulse, so was.

Antilopen Gang im Interview

v.l.n.r.: Danger Dan, Koljah, Panik Panzer

Koljah: So was könnte ich mir auch vorstellen. Meinen Plan kann ich ja mal verraten, in der Hoffnung, dass mir niemand zuvor kommt. Ich würde einen Lasagne-Laden aufmachen, der auch Lasagne-Laden heißt. Der wird dann von den Leuten, die da rein gehen, „LaLa“ abgekürzt. Da gibt’s wirklich nur Lasagne in verschiedensten Sorten: Die klassische Lasagne, oder mit Spinat, Feta und Tomaten. Vielleicht auch mit Lachs und ein bisschen Meerrettich in der Bechamelsauce. Da kann man ja kreativ sein. Meines Wissens nach gibt’s das noch nicht. Es gibt Pasta-Läden, Pizza-Läden aber ein reiner Lasagne-Laden, der dann auch noch „LaLa“ abgekürzt wird, scheint mit der absolute Renner zu sein. Ich hoffe, dass ich das eines Tages machen werde. Ich stelle mir das auch eher als kleine Imbissbude vor, nicht als Restaurant. Ich weiß noch nicht, wie man das machen soll. Es geht dann ja nicht, die jedes mal frisch zuzubereiten. Aber die einzufrieren, ist auch irgendwie scheiße. Vielleicht vorher vorbereiten und dann die Lasagne in den Backofen schieben. Ich muss mir da noch praktische Überlegungen machen, aber das wäre so mein Traum.

Panik Panzer: Ich würde gerne mein Leben lang auf Tour bleiben. Ich mag das Leben auf Tour. Deswegen könnte ich mir vorstellen, Busfahrer oder Roadie zu werden, wenn’s mit uns nicht weitergeht.

Danger Dan: Du hast diese geile Zeile, die musst du noch rappen!

Panik Panzer: Welche geile Zeile? Achso, stimmt! Eben ist mir auch noch eine gute Zeile von mir eingefallen: „Du hässlicher Bastard bist unterernährt, wenn’s mit Rap nicht klappt, geh’ ich Bundeswehr.“ Ist natürlich auch irgendwie eine Perspektive.

Und ein passendes Schlusswort für das Interview. Vielen Dank für das Interview!

Antilopen Gang: Danke, gerne.


* Name von der Redaktion geändert.

Update (19. Mai 2015): Moritz hat die Ernst.FM-Redaktion darum gebeten, seine Darstellung der Hausarbeiten-Angelegenheit zu veröffentlichen:

Ich habe Panik Panzer bezüglich der Hausarbeiten am 21. und 22. April sowie am 07. und 08. Mai via Facebook kontaktiert, also beileibe nicht „quasi täglich“ angeschrieben. Panik Panzers Vermutung, wonach ich seine Hausarbeiten gegen Geld schreiben wollte, ist unwahr.

Die Note der Hausarbeit, die ich für Koljah schrieb, hatte eine Note von glatt 3,0. Zudem lag die lediglich befriedigende Ausführung seiner Wünsche bezüglich der Hausarbeit in erster Linie daran, dass mein Fokus auf einer eigenen Hausarbeit lag. Ich erhielt für die Hausarbeit 20€.

Danger Dan hat mir keineswegs die Gliederung der Bachelorarbeit geschrieben, zudem habe ich diese nicht im Bereich Stadtsoziologie geschrieben. Des Weiteren habe ich die Arbeit mit Bravour bestanden, sie wurde mit 1,0 bewertet. Hätte er dies jedoch getan, wäre meine eidesstattliche Versicherung, die Arbeit alleine und ohne fremde Hilfe erstellt zu haben, unwirksam.


Cover: Dad Rocks! von nuncafe (CC BY-NC 2.0)

Diese Episode wurde veröffentlicht unter der Creative Commons Lizenz Namensnennung 3.0 Deutschland (CC BY 3.0 DE).


Kommentare (2)

hdsjdgs
16.36 Uhr
22. Mai 2015

First!


17.52 Uhr
25. Juni 2016

Runner-up!