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A Tale Of Golden Keys: „Es geht um die Ehrlichkeit der Musik“

Backstage

Ehrlich, hautnah und noch ein bisschen verschwitzt – so mögen wir unsere Interviewpartner am liebsten. Backstage ist die Sendung für diejenigen, die nie genug von exklusiven Infos aus erster Hand und wilden Geschichten rund um Tourleben, Musikproduktion und Künstlerdasein bekommen können. Wir bitten Künstler aller Couleur zum Gespräch in die Backstage-Räume der Hannoverschen Clubs.

[034] A Tale Of Golden Keys: „Es geht um die Ehrlichkeit der Musik“

Fotos: Sebastian Mast

Die Jungs von A Tale Of Golden Keys sind ganz schön emotional – und das ist auch gut so. Denn so bekommt ihr Pop den warmherzigen Klang, der sie schon bis zur Expo nach Mailand führte. Diese „Popmusik mit einem melancholischen und emotionalen Beiklang“ brachten sie Ende Februar im Kulturpalast auf die Bühne, präsentiert von Ernst.FM.

Vorher baten wir sie auf ein Stelldichein in unser Studio. Im Gespräch mit Laura und Laura verrieten sie, wie sie ihre Emotionalität auf der Bühne in den Griff bekommen und was das Dorfleben für Vorteile bietet. Mit ihrer Akustik-Version von „Three Weeks“ und ihrer grundsympathischen Art haben sie nicht nur unsere Herzen ein klein wenig gestohlen – wir sind uns sicher, auch ihr könnt euch den feinfühligen Stimmen von Flo, Hannes und Jonas nicht entziehen.

Ihr Debüt „Everything Went Down As Planned“ erschien am 23.10.2015.


Man schreibt über euch, dass man sich beim Hören eurer Musik den Liebeskummer vergangener Tage zurückwünscht – aus eigener Erfahrung kann ich sagen, dass Liebeskummer zu den Emotionen gehört, die ich am liebsten aus meinem Gefühlsrepertoire schmeißen würde. Wie kann man sich das bitte zurückwünschen?

Flo: Naja, als Künstler leidet man ja gerne … (lacht) Ne, also das haben ja nicht wir geschrieben, das haben ja andere Leute für uns geschrieben.

Hannes: Ich glaube, was damit ausgedrückt werden soll, ist, dass die Melancholie, die in unseren Songs steckt, so schön ist, dass man gerne wieder traurig wäre. (lacht) Ich weiß es nicht, ich hätte das so auch nicht geschrieben, glaube ich.

Ihr seid ein Trio aus Franken und ihr macht Popmusik – ist das okay für euch, das so zu sagen?

Flo: Das ist okay, ja. Man muss die negative Konnotation vom Pop wegkriegen. Deswegen machen wir auch Popmusik.

Wenn ihr euch jetzt mit eigenen Worten beschreiben würdet, für die, die so gar nichts mit euch anfangen können – wie würde das klingen?

Hannes: Ich würde sagen, Popmusik ist erst einmal ein guter Einstieg – Popmusik mit einem melancholischen und emotionalen Beiklang. Laut und leise verpackt im Gewand der Popmusik.

A Tale Of Golden Keys

Bisher sind von euch ja drei EPs und ein Album erschienen. Wo sind für euch die Unterschiede, ob man jetzt eine EP aufnimmt oder ein Album?

Flo: Also das ist ja unser Debütalbum, dadurch ging uns das relativ einfach von der Hand. Man hat keine Erwartungen von außen und die komplette Bandgeschichte Zeit, Material für das Album zu sammeln. Ich denke, ein Album ist ein kompletteres Werk als eine EP, darum steckt man da mehr Zeit und Arbeit rein. Man veröffentlicht eine EP auch, um einfach ein bisschen am Ball zu bleiben.

„Ich muss ganz viel weinen auf der Bühne!“

Du hast eben schon von Materialsammlung gesprochen – wie ist es denn überhaupt zu dieser Soundauswahl auf dem Album gekommen? Nach welchen Kriterien habt ihr entschieden, welche Songs auf das Album kommen?

Flo: Wir haben nur elf geschrieben und haben dann zehn auf das Album gepackt. (lacht)

Hannes: Unsere drei EPs vorher waren glaube ich eher ein Ist-Stand. Wir haben die Songs gemacht und sie dann direkt rausgebracht. Wir haben die ganze Zeit schon Songs zurückgelegt und beschlossen, die auf das Album zu packen, wenn wir mal eines rausbringen. Von daher stand eigentlich schon fest, welche Songs da drauf kommen, als wir mit den Aufnahmen begonnen haben. Die Auswahl hat sich also selbst getroffen.

Flo: Uns war es auch wichtig, dass die Songs auf dem Album nicht schon vorher auf einer EP waren. Das gibt es ja häufig, dass Bands eine EP mit fünf Songs herausbringen und von den fünf Songs dann vier wieder auf einem Album landen. Das wollten wir vermeiden.

A Tale Of Golden Keys

Wir haben ja schon festgehalten, dass eure Musik recht emotional ist. Wie macht ihr das auf der Bühne, wenn ihr Songs performt, die für euch mit Erinnerungen verknüpft sind? Fällt euch das manchmal schwer?

Flo: Ich muss ganz viel weinen auf der Bühne. (lacht) Nein, mir ist das noch nie untergekommen, dass ein Song, für den ich den Text geschrieben habe, mich so bewegt hat, dass ich nicht in der Lage war, den Song richtig zu spielen. Man ist schon emotional, aber das ist eine andere Ebene, wenn man es live spielt. Anders wäre es vielleicht, wenn man sich die Songs zu Hause noch einmal anhört und sich zurückversetzt in die Lage. Aber beim Spielen selbst hatte ich das Problem noch nicht.

Hannes: Problem ist vielleicht auch der falsche Begriff. Man kanalisiert das anders, wenn man die Songs live spielt. Ich glaube schon, dass wir drei da immer tief drin sind. Wir spielen das nicht runter und denken uns: Ist ja wurscht, das haben wir jetzt schon fünf Mal gespielt in dieser Woche. Wir stecken da schon drin, aber das zeigt sich anders als in Tränen. Im Kopf hat man ja auch immer, dass man das für die Leute spielt und sie an den Gefühlen teilhaben lassen möchte.

Euch liegen also eher die Songs am Herzen. Ist das auch ein Grund, warum ihr euer Album nicht jeder für sich, sondern eben live und als Band eingespielt habt?

Hannes: Mit Sicherheit auch, ja. Die Vorgehensweise kam dadurch zustande, dass wir den Monat, bevor wir das Album aufgenommen haben, auf Tour waren. Unser Produzent war dabei und hat uns live abgemischt. Danach waren wir uns einig, dass wir das so aufnehmen müssen, wie wir es spielen, um am besten transportieren zu können, was drin steckt – ohne Tricksereien oder Fettermachen. Wir wollten die Songs, so wie wir sie spielen, einfach stehen lassen.

Es geht also um die Ehrlichkeit der Musik?

Hannes: Auf jeden Fall.

„Wir haben immer alles möglich gemacht.“

Ihr habt auch eine ganz süße Geschichte im Hintergrund: Als Proberaum benutzt ihr das Haus deiner Oma, Jonas. Ist das rein aus praktischen Gründen gewachsen oder gibt euch das etwas, sich aus allem herauszunehmen?

Hannes: Es ist auf jeden Fall aus einer praktischen Geschichte gewachsen, die aber inzwischen gar nicht mehr so praktisch ist. Wir haben angefangen, in dem Haus zu proben, als wir alle noch in Deutschland verteilt gewohnt haben. Jetzt wohnen wir aber alle in Nürnberg und fahren eine Dreiviertelstunde zu dem Haus, um zu proben. Richtig praktisch ist es also nicht mehr, außer dass es vielleicht günstiger ist als ein anderer Raum. Es ist zu unserer Basis geworden und ich könnte mir nicht mehr vorstellen, woanders zu sein.

Würdet ihr euch selbst als Dorfkinder bezeichnen?

Flo: Nee. Zumindest Hannes und ich sind in einer Kleinstadt großgeworden.

Jonas: Ja, Ja …

Flo (lacht): Also ich glaube, wir sind eine Mischung aus Stadt und Dorf. Wir haben die Möglichkeit des Landes in uns, aber auch die… nee, das sag ich jetzt nicht.

Was sind denn jeweils die Vorteile von Dorf und Stadt für euch?

Flo: Auf dem Land hast du dein Haus stehen, du hast deine Ruhe und kannst nachts das Fenster aufmachen und frische Luft haben, ohne Ohropax in den Ohren zu haben. In der Stadt ist halt einfach mehr los. Wenn man etwas erleben will, geht das immer, jeden Tag. Auch in Nürnberg.

Hannes: Für uns als Band ist es ein Vorteil, dass wir jetzt gerade alle auf einem Fleck wohnen. Und wenn das jetzt auch noch in einer Stadt ist, in der etwas los ist, kann das sehr inspirierend sein.

Wie sah denn euer Bandalltag vorher aus? Ich stelle mir das sehr schwierig vor, neben Studium und anderen Verpflichtungen eine Band in einem anderen Teil Deutschlands zu haben. Wie habt ihr das geschafft?

Hannes: Wir haben einfach weitergemacht. Rückblickend war das gar nicht so kompliziert, obwohl es über vier Jahre so ging. Es haben sich um uns herum so viele Türen geöffnet, dass nie für einen von uns die Frage war, ob das noch geht. Wir haben immer alles möglich gemacht – und wir wissen ja, wie das mit dem Studium läuft. Es ist schon möglich, da noch etwas nebenher zu machen. (lacht)

Es ist schon auffällig, dass ihr jedes Mal, wenn ihr euren Kreativprozess anstoßen wollt, die Einöde aufsucht. Das Studio, wo ihr das Album aufgenommen habt, ist ja auch im Niemandsland. Was treibt euch dazu? Warum sucht ihr euch nicht einfach ein Studio in Nürnberg und nehmt euer Album da auf?

Flo: Das ist für uns wichtig. Wenn wir neue Songs schreiben wollen, müssen wir das explizit machen. Wir müssen uns irgendwo hinbegeben, um das zu tun. Wenn wir in Nürnberg sind und uns für den Nachmittag verabreden, dann sagt wieder einer: „Ich wollte heute Abend noch zu meiner Freundin“ oder: „Ich muss ins Kino“. Wenn wir jetzt explizit dahin fahren, unsere Instrumente mitnehmen und Songs schreiben, dann ist das ein ganz anderes Selbstverständnis und ein anderes Gefühl beim Schreiben und Kreativsein.

A Tale Of Golden Keys

Das schweißt bestimmt auch als Band zusammen. Ihr habt sicher einige lustige Geschichten erlebt, wenn ihr euch da so ein Wochenende verschanzt im Probehaus.

Hannes (schmunzelt): Joar …

Und wie oft knallts bei euch?

Hannes: Wirklich, wirklich selten. Die Stimmung ist schon ab und an am Boden. Häufig auf Touren, wenn es mal zeitweise anstrengend ist oder wenn mal zwei Scheißabende dabei waren. Dann denkt man sich schon: „Boah, jetzt hocke ich wieder fünf Stunden mit den Typen im Bus“. Aber generell hatten wir wenig große Streitereien.

„Ich bin mehr so der T-Rex-Typ.“

Zum Schluss haben wir noch ein paar schnelle Fragen an euch. Auf eurem Albumcover sieht man Dinosaurier. Was ist euer Lieblingsdino?

Jonas: Flugsaurier.

Flo: Der Petri ist mein Lieblingssaurier.

Hannes: Ich bin mehr so der T-Rex-Typ. So einen T-Rex finde ich beeindruckend.

Leberkäs‘ oder Obazda?

Flo: Ich esse kein Fleisch, deswegen Obazda.

Jonas: Leberkäse auf jeden Fall.

Hannes: Leberkäs‘ mit Obazda drauf.

Tragt ihr Lederhosen auf der Wiesn?

Flo: Ich war noch nie in meinem Leben auf der Wiesn.

Jonas: Das ist Bayern, wir sind Franken.

Hannes: Ich hatte als Kind relativ viele Lederhosen an, weil meine Mutter das einfacher zu reinigen fand.

Flo: Er hat sich eben viel in die Hosen gemacht.

Hannes: Ne, von außen. Einfach abwischen!

Seid ihr lieber in den Bergen oder am Meer?

Jonas: Meer.

Flo: Beides. Ich kann mich nicht entscheiden.

Hannes: Berge.

Welche Platte eurer Eltern hat euch am Meisten beeinflusst?

Flo: Meine Eltern waren eher mainstreamig gepolt. Mein Vater hat sich gar nicht für Musik interessiert, also musste ich hören, was meine Mutter gehört hat. Die ersten Erinnerungen waren Take That.

Jonas: Bei mir war es etwas bayrisches: Haindling.

Hannes: Bei mir waren es, glaube ich, echt die Beatles. Die haben meine Eltern viel gehört.

Was glaubt ihr, wie geht die Menschheit unter?

Flo: Hoffentlich romantisch mit einer großen Explosion.

Hannes: Ich glaube das nicht. Der Mensch wird sich selber irgendwie zugrunde richten – leider. Oder Dinos.

A Tale Of Golden Keys

Interview: Laura Weinert & Laura Kalina
Fotos: Sebastian Mast
Text: Laura Weinert

Cover: Dad Rocks! von nuncafe (CC BY-NC 2.0)

Diese Episode wurde veröffentlicht unter der Creative Commons Lizenz Namensnennung 3.0 Deutschland (CC BY 3.0 DE).


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