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Ebony & Ivory

Jazz Kicks

„Jazz is not dead, it just smells funny“, beschrieb Frank Zappa einen spießigen Jazz-Mief, den Niels nun mit wahlweise Tee, Rotwein oder Bourbon abzuspülen versucht. Von Davis bis Jarrett, mal lässig, mal anspruchsvoll, zwischen Füße hochlegen und Augenbraue hochziehen; Die Jazz Kicks zeigen, dass Jazz nicht nur etwas für Schöngeister, sondern auch für den studentischen Wochenendausklang ist.

[004] Ebony & Ivory

Wen in diesen Tagen die Langeweile peinigt, der sollte den Fluxkompensator seines Vertrauens aufsuchen und gute einhundert Jahre in die Vergangenheit, in einen Jazzclub im Herzen von New Orleans zeitreisen. Dort hätte der Abenteurer, sofern ihm nicht gleich ein Messer in den Rücken gestochen oder eine Trompete an den Hinterkopf geschwungen wird, gute Chancen, einem fein gekleideten Jazz-Pianisten zu begegnen, der damals in pastellfarbenem Frack und mit gehobener Nase durch die Clubs der Stadt stolzierte. Richtete der Zeitreisende das qua Zeitreise verdutzte Gesicht nur einen Augenblick zu lang auf diese sonderbare Gestalt, wäre diese wohl geradewegs auf denselben zugetänzelt, in dem berechtigten Glauben, der Jazzclub mit seiner Jazzmusik und nicht die Benutzung des Fluxkompensators hätte das Erstaunen ausgelöst.

„Zwischen Schwarz und Weiß entstand der Jazz“ oder so etwas ähnliches hätte der Frackträger, mit der Zunge über die mit Brillanten versehenen Zahnreihen streichend, in einem an Überheblichkeit und Eloquenz nicht zu überbietenden Tonfall geraunt. Wenngleich dem überdurchschnittlich allgemeingebildeten Zeitreisenden wohl bekannt, dass der Jazz im Schmelztiegel verschiedener Ethnien entstand, hätte das Gegenüber fortgefahren: „Ich meine nicht die Hautfarbe. Ich meine…“, Kunstpause, alle zehn Finger auf der Theke trommelnd, „das Klavier!“ Begeistert von der Intelligenz des Rätsels, mit dem er den Monolog begonnen hatte, hätte es aus ihm nun herausgesprudelt: „Zwischen schwarzen und weißen Tasten! Du fragst, woher ich das wissen will? Nun, du scheinst fremd hier zu sein. Ich verzeihe dir, dass du mich nicht erkannt hast. Aber eines solltest du dir merken: Der Jazz – meine Idee. Das Jazz-Piano – kommt von mir. Die Jazz-Pianisten, die nach mir kommen werden – haben alle von mir abgeguckt.“

Wer war dieser selbstverliebte, aufdringliche Kerl? War dieser Typ der allererste Jazz-Pianist, ja hat er gar den Jazz erfunden? Und haben die vielen großartigen Pianisten, die in den 100 Jahren nach ihm den Jazz in die verschiedensten Richtungen ausformen sollten, tatsächlich irgendetwas mit ihm gemeinsam?

Die Beantwortung dieser Fragen benötigt – Ernst.FM sei Dank – an diesem Sonntagabend keinen Fluxkompensator. Denn wen also in diesen Tagen die Langeweile peinigt, der sollte das Wohnzimmer seines Vertrauens aufsuchen und Niels‘ Jazz Kicks für gute 70 Minuten laufen lassen.

Playlist zur Sendung

Die Playlist enthält nur die gespielten Songs, die auch bei Spotify verfügbar sind.

Kommentare (2)

Smilla
18.22 Uhr
14. Januar 2015

Hab leider meine Lieblingssendung verpasst!
Wann wird sie denn wiederholt??

Nicolas Schabram
14.11 Uhr
15. Januar 2015

Hey Smilla,

wir senden kommenden Sonntag (18. Januar 2014) um 11 Uhr eine Wiederholung:

http://ernst.fm/2015/01/18/sendeplan/

Liebe Grüße,
Nico