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„Mundpropaganda ist die beste Werbung“ – Michael Ehrke im Interview

FNJ Interviews

Friday Night Jamboree spricht mit Bookern, Promotern, DJs, Produzenten und Labelbetreibern über aktuelle Themen aus der Szenelandschaft. Dabei entstehen bunte und interessante Gesprächsrunden, welche in Textform veröffentlicht werden.

„Mundpropaganda ist die beste Werbung“ – Michael Ehrke im Interview

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Ende Dezember haben wir es uns zusammen mit Michael Ehrke auf seinem dunkelbraunen Ledersofa gemütlich gemacht und über seine Arbeit als Booker sowie das Kollektiv buero gesprochen. Aufgrund detailverliebter Dekorationen und intelligenten Bookings konnte das buero bereits auf sich aufmerksam machen. Der Wahl-Braunschweiger erzählte uns von seinen Anfängen im Nachtleben, der Idee von buero und seinen Promotion-Vorstellungen!


Du hast eine interessante Vita, denn du betreibst eine Bookingagentur für DJs, ohne selber DJ gewesen zu sein. Woher kommt dein Interesse an elektronischer Clubmusik?

Nach meiner Ausbildung in Bremen habe ich ein Jahr lang in Hamburg gelebt und dort kommt man im Nachtleben kaum um elektronische Clubmusik herum. Wirklich spezifisch geworden ist es allerdings erst, als ich anschließend nach Braunschweig gezogen bin. Aufgrund der doch eher dünnen Clubszene war ich mit dem Angebot unzufrieden und bin ins Grübeln gekommen. Mit der Zeit habe ich dann gewisse Dinge ins Rollen gebracht und es hat sich Schritt für Schritt entwickelt.
Der Ausdruck Bookingagentur ist für das buero vielleicht auch nicht der richtige Begriff. Es ist eher ein Kollektiv, welches sich Anfang 2016 zusammengeschlossen hat. Ich selbst bin kein DJ, sondern kümmere mich um die Vermittlung von Auftritten für unsere Künstler, die Promotion und den Internetauftritt. In diesem Zug muss man ebenfalls Till und Inge erwähnen, welche sich sehr leidenschaftlich um die Dekoration der Veranstaltungen kümmern. Es macht schon eine Menge aus, wenn die Partys jedes Mal anders geschmückt sind und einen anderen Flair haben.

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Was unterscheidet das buero von anderen Kollektiven?

Eine Besonderheit ist schwierig zu formulieren. Ich persönlich lege sehr viel Wert auf Harmonie und den Kontakt innerhalb des aus dem buero erwachsenen Freundeskreises. Man hat ursprünglich aufgrund der Musik zu einander gefunden und mittlerweile sind wir alle befreundet. Das mag nach außen nicht unbedingt besonders erscheinen – für mich ist es das aber in jedem Fall.

Nach welchen Kriterien wählst du deine Künstler aus und wie findest du sie?

Wir sind eine Gruppierung, deshalb suche ich die Künstler nicht alleine aus, sondern immer zusammen mit den anderen Beteiligten. Als jedoch vor zwei Jahren der Club Eulenglück in Braunschweig eröffnet hat, wurde ich gefragt, ob ich das Programm dort füllen möchte. Ich habe mich dann aktiv auf die Suche nach spezieller Musik begeben, welche nicht unbedingt den Mainstream bedienen sollte. Man hört sich verschiedene Dinge zum Beispiel auf SoundCloud an, erlebt bestimmte Musik beim Weggehen oder auf Festivals. Dabei ging es natürlich primär darum, das Booking im Eulenglück zu machen und weniger um das Suchen neuer Künstler für unser Kollektiv. Wir hatten Martha Van Straaten zu Gast und im Februar kommt Jascha Hagen ins Eulenglück, welcher mich mit seiner Musik sehr berührt. Genau danach wählen wir die Künstler aus: nach Bauchgefühl. Natürlich gibt es auch gewisse Trends, die man am besten vor allen anderen erkennen sollte.

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Wie macht man, dank digitaler Reizüberflutung, heute noch effektive Promotion?

Im Prinzip ist Mundpropaganda die beste Werbung. Wenn man Leistung zeigt, auf Partys eine gute Stimmung schafft und die Leute zufrieden eine gemeinsame Zeit erleben, dann speichern sie das ab und geben es an andere weiter. Wir haben keinen breiten Internetauftritt und schalten keine Werbung – das wollen wir bewusst nicht. Ich bin sehr zufrieden, dass wir in Braunschweig mittlerweile eine kleine Szene haben und die Leute wissen was wir machen, ohne das online großartig ankündigen zu müssen.

Welche Ziele will das buero 2017 realisieren?

Einen richtigen Fahrplan gibt es nicht – und das ist momentan auch gut so. Mein Langzeitziel ist es natürlich unseren Künstlern weiterhin Auftritte zu verschaffen. Wir haben 2016 beispielsweise im Odonien in Köln gespielt. In 2017 wollen wir deshalb überregionale Angebote weiter forcieren. Dazu möchten wir ein bisschen weniger in den Braunschweiger Clubs machen und uns mehr auf Bars konzentrieren sowie weitere Projekte draußen veranstalten. Letzten Sommer haben wir beispielsweise das zweitägige Buschfest im Querumer Forst organisiert, welches extrem gut ankam. Das Besondere am Buschfest war, dass 250 Leute gekommen sind, ohne dass wir im Vorfeld Werbung geschaltet oder Ticketing betrieben haben. Wir wollen wieder etwas Vergleichbares auf die Beine stellen, auch wenn es mit einem hohen Aufwand verbunden ist.

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Das buero im Internet:
Facebook: https://www.facebook.com/buero-1087098911341253/?fref=ts
SoundCloud: http://soundcloud.com/erkannt

Die nächsten Termine:
18. Februar 2017 Jascha Hagen im Eulenglück, Braunschweig
19. März 2017 Dany Dorchin in Banaby‘s Blues Bar, Braunschweig

Das buero gibt einen unregelmäßigen Newsletter auf SoundCloud heraus, indem ein DJ des Kollektivs im Rahmen einer Veranstaltung einen Mix anfertigt. Zusätzlich erscheint einmal im Monat der sogenannte Buschfunk, d.h. ein DJ vom oben erwähnten Buschfest veröffentlicht einen Mix in Anlehnung an die dort gespielte Musik.


Interview: Tim Schulze, Henry Schwarz und Jannis Damitz
Text: Tim Schulze
Fotos: Tim Schulze und Michael Ehrke
Unterstützung: Stefanie Schweizer und Gregor Willenbrock

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Diese Episode wurde veröffentlicht unter der Creative Commons Lizenz Namensnennung 3.0 Deutschland (CC BY 3.0 DE).


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